Ist ein Dachablauf oder Gully am Flachdach verstopft, kann das Regenwasser nicht mehr abfließen. Es staut sich rund um den Ablauf, bleibt auf der Fläche stehen und läuft im ungünstigen Fall über Notüberläufe, die Attika oder undichte Anschlüsse ab. Das stehende Wasser lässt die Abdichtung schneller altern und belastet das Tragwerk. Jeder Zentimeter Wasser bringt auf jedem Quadratmeter rund zehn Kilogramm Gewicht auf das Dach. Typische Ursachen sind Laub, Kies, Moos, Schlamm und Nistmaterial. Reinigung und Wartung übernimmt ein Fachbetrieb, für nicht begrünte Flachdächer werden ein bis zwei Wartungen im Jahr und zusätzliche Kontrollen nach Unwettern empfohlen. Auf großen Hallendächern zeigt eine Befliegung, welche Abläufe frei sind und wo sich Wasser staut.
Woran erkennen Sie einen verstopften Dachablauf?
- Rund um einen Ablauf steht Wasser, während andere Bereiche schon trocken sind.
- Pfützen bleiben noch Tage nach dem letzten Regen stehen.
- Notüberläufe oder Speier laufen, obwohl es nur normal geregnet hat.
- Wasser läuft über die Attika oder an der Fassade herunter.
- Innen tropft es in der Nähe von Fallrohren oder Abläufen.
- Auf dem Dach liegen sichtbar Laub, Kies, Bewuchs oder Schlamm um die Abläufe.
Nicht jeder kurze Anstau ist ein Fehler. Bei Dachentwässerungen mit Druckströmung, also Systemen, die bei Starkregen voll gefüllt arbeiten, ist nach Baunetz Wissen mit einem vorübergehenden Wasseranstau zu rechnen. Zum Problem wird es, wenn das Wasser lange steht oder sich immer an denselben Abläufen staut.
Was verstopft Dachabläufe?
- Laub, Nadeln und Blüten von Bäumen in der Nähe
- Kies aus der Auflast, der verrutscht und sich vor dem Ablauf sammelt
- Moos, Pflanzenbewuchs und Schlamm, die sich in Wasserstellen bilden
- Nistmaterial und Kot von Vögeln, etwa von Tauben unter der PV-Anlage
- Reste von Bauarbeiten, Folien oder Verpackungen
- Eis im Winter
Manche Verstopfungen liegen nicht auf dem Dach, sondern im Fallrohr oder in der Leitung darunter. Dann ist der Ablauf von oben frei, und das Wasser staut sich trotzdem.
Welche Folgen hat ein verstopfter Ablauf?
- Schnellere Alterung der Abdichtung. Nach Baunetz Wissen beschleunigt dauernd stehendes Wasser den biologischen und chemischen Abbau von Bitumen. Dazu kommen Zonen, die im Sommer abwechselnd nass und trocken sind, und Eis im Winter, das die Dachhaut angreift.
- Zusätzliche Last. Bei großen Flächen und leichten Konstruktionen kommt schnell viel Gewicht zusammen. Gerade leichte Hallendächer biegen sich unter Wasser weiter durch, und in der Mulde sammelt sich noch mehr Wasser. Biegt sich die Fläche sichtbar durch, sollte zusätzlich ein Tragwerksplaner das Dach beurteilen.
- Wasser an Anschlüssen. Steigt das Wasser höher als geplant, erreicht es Anschlüsse an Attika, Türen, Lichtkuppeln oder Aufbauten, die dafür nicht ausgelegt sind.
- Überlastung der übrigen Abläufe. Fällt ein Ablauf aus, müssen die anderen sein Wasser mit aufnehmen.
- Undichtigkeit. Eine schadhafte Stelle unter einer Wasserfläche bekommt bei jedem Regen lange Wasser. Wie man der Ursache auf die Spur kommt, steht im Beitrag Flachdach undicht, aber wo?
Wann Pfützen noch normal sind und wann nicht, beschreibt der Beitrag Stehendes Wasser auf dem Flachdach.
Warum ist die Notentwässerung so wichtig?
Ein Notüberlauf sichert die Entwässerung eines Flachdachs, wenn der reguläre Ablauf verstopft oder überlastet ist. So beschreibt es Baunetz Wissen. Nach der Zusammenfassung der Flachdachrichtlinien bei Baunetz Wissen braucht jede Dachfläche mit innen abgeführter Entwässerung unabhängig von ihrer Größe mindestens einen Dachablauf und mindestens einen Notüberlauf. Die Normen verlangen bei Neubau und Sanierung neben der Hauptentwässerung eine ausreichend bemessene Notentwässerung.
Baunetz Wissen nennt drei bewährte Lösungen.
- ein innenliegendes, verrohrtes System für große Flächen und hohe Wassermengen
- eine Entwässerung über die Attika, einfach und für kleinere Flächen geeignet
- eine verrohrte Entwässerung über die Attika mit Gullys und Fallrohren für große Flächen mit gezielter Ableitung
Nach DIN 1986-100 sind Notüberläufe grundsätzlich bei Dächern mit innenliegender Rinnenentwässerung und bei Flachdächern in Leichtbauweise vorzusehen. Die Notentwässerung ist frei auf das Grundstück zu führen und darf nicht an die Entwässerungsanlage angeschlossen werden. Für die Bemessung von Abläufen und Notüberläufen gelten DIN EN 12056-3 und DIN 1986.
Ein Notüberlauf ist kein Ersatz für einen freien Ablauf. Läuft er häufig, stimmt mit der Hauptentwässerung etwas nicht. Und er hilft nur, wenn er selbst frei ist. Ob ein bestehendes Dach ausreichend Notentwässerung hat, beurteilt ein Fachplaner oder Dachdecker.
Wer wartet die Abläufe und wie oft?
Nach Baunetz Wissen sollten nicht begrünte Flachdächer ein- bis zweimal im Jahr und zusätzlich nach Unwettern gewartet werden, mindestens aber einmal jährlich, gern im Frühjahr oder Herbst. Wie oft genau, hängt von Beanspruchung, Alter der Abdichtung, Fläche, Neigung und Konstruktion ab. Zur Wartung gehört die Reinigung von Rinnen, Fallrohren, Dachabläufen und Entwässerungsrinnen. Damit das möglich ist, müssen Dachabläufe frei zugänglich sein.
Die Wartung gehört in die Hände von fachkundigem Personal, in der Regel eines Dachdeckerbetriebs oder einer Wartungsfirma. Verstopfungen in Fallrohren und Grundleitungen beseitigt ein Fachbetrieb für Rohrreinigung, oft mit Kamera. Baunetz Wissen empfiehlt einen Wartungsvertrag und einen Wartungsplan. Eine dokumentierte Wartung kann Voraussetzung für Versicherungsschutz und Gewährleistung sein. Maßgeblich ist der jeweilige Vertrag.
Für Hallen mit großen Spannweiten hat die Bauministerkonferenz 2006 Hinweise zur Überprüfung der Standsicherheit durch den Eigentümer veröffentlicht. Darin wird festgehalten, dass der Eigentümer für Instandhaltung und Verkehrssicherheit seines Gebäudes verantwortlich ist. Zu den erfassten Gebäuden gehören unter anderem Hallen mit Stützweiten über 12 Meter. Was davon im Einzelfall gilt, sollte mit Fachleuten geklärt werden. Dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung.
Wie hilft die Kontrolle aus der Luft auf großen Hallendächern?
Auf einem großen Hallendach mit vielen Abläufen ist jeder Rundgang aufwendig. Lichtbänder und Lichtkuppeln sind oft nicht durchtrittsicher, und bis zum letzten Ablauf ist es weit. Eine Befliegung erfasst das ganze Dach, ohne dass jemand die Fläche betreten muss.
- Alle Abläufe auf einen Blick. Auf einem Orthofoto, einer maßstäblichen Draufsicht, werden alle Abläufe und Notüberläufe eingezeichnet und nummeriert.
- Zustand jedes Ablaufs. Detailfotos zeigen, ob ein Ablauf frei, zugewachsen, mit Kies oder Laub bedeckt oder zugestellt ist.
- Wasserstellen. Eine Befliegung kurz nach dem Regen zeigt, wo sich Wasser staut. Eine zweite einige Tage später zeigt, welche Stellen bleiben.
- Mulden und Tiefpunkte. Aus den Luftbildern entsteht auf Wunsch ein 3D-Modell, an dem sich Mulden erkennen lassen. Wie genau es ist, hängt von Flughöhe, Positionsbestimmung und Objekt ab.
- Feuchte im Aufbau. Ist das Dach bereits undicht, können Wärmebildaufnahmen zeigen, wo die Dämmung nass sein könnte. Das gelingt vor allem abends nach einem sonnigen, trockenen Tag bei trockener Oberfläche.
- Vergleich über die Zeit. Wiederholte Befliegungen zeigen, ob die Wartung wirkt und ob neue Problemstellen entstehen.
Für den Wartungsbetrieb ist das eine Arbeitsgrundlage. Er weiß vorher, welche Abläufe er sich zuerst ansehen sollte. Die Grenzen sind ebenso klar. In Fallrohr und Leitung sieht die Kamera aus der Luft nicht hinein. Unter Wasser, Schnee oder dichtem Bewuchs bleiben Abläufe unter Umständen verborgen. Was eine Befliegung darüber hinaus zeigt, lesen Sie im Beitrag Dachinspektion mit Drohne.
Was können Sie selbst tun?
- Halten Sie einen Plan bereit, auf dem alle Abläufe und Notüberläufe eingezeichnet sind.
- Schließen Sie einen Wartungsvertrag ab und bewahren Sie die Protokolle auf.
- Achten Sie im Herbst auf Laub von Bäumen in der Nähe des Daches.
- Sehen Sie nach Starkregen vom Boden aus nach, ob Notüberläufe laufen oder Wasser an der Fassade herunterläuft.
- Betreten Sie das Dach nur mit Absturzsicherung und nie allein.
So unterstützen wir Sie
Wir befliegen Ihr Flachdach und liefern Fotos, ein Orthofoto und auf Wunsch ein 3D-Modell. Darauf markieren wir Abläufe, Notüberläufe, Wasserstellen und Schäden mit Ort und Dringlichkeit. Ihr Dachdecker oder Wartungsbetrieb sieht damit vorab, wo er ansetzen sollte. Mehr dazu unter Flachdach prüfen, wir sind in OWL, im Münsterland und in ganz NRW im Einsatz und erreichbar über den Kontakt.
Quellen
- Baunetz Wissen zur Dachentwässerung nach Flachdachrichtlinien
- Baunetz Wissen zur Dachentwässerung in der Gebäudetechnik
- Baunetz Wissen, Glossar Notüberlauf im Flachdach
- Baunetz Wissen, Glossar Notüberlauf nach DIN 1986-100
- Baunetz Wissen zur Wartung von nicht begrünten Flachdächern
- Baunetz Wissen zu Wartung und Pflege von Flachdächern
- Baunetz Wissen zu Schäden an Bitumenbahnen und ihren Ursachen
- ARGEBAU, Hinweise für die Überprüfung der Standsicherheit von baulichen Anlagen durch den Eigentümer, September 2006