Ratgeber · Dächer

Stehendes Wasser auf dem Flachdach. Wann Pfützen ein Problem sind

Nicht jede Pfütze auf dem Flachdach ist ein Mangel. Woran Sie erkennen, wann stehendes Wasser zum Problem wird, welche Ursachen typisch sind und wie Luftbilder und 3D-Modell bei der Klärung helfen.

6 Min. Lesezeit · Stand 12. Oktober 2026

Pfützen auf dem Flachdach sind nicht automatisch ein Mangel. Auch auf einem Dach mit geplantem Gefälle können nach dem Regen kleine Wasserstellen stehen bleiben. Zum Problem wird stehendes Wasser, wenn es lange oder dauerhaft steht, große Flächen bedeckt, sich vor Abläufen staut oder von Jahr zu Jahr mehr wird. Dann altert die Abdichtung schneller, das Dach trägt zusätzliche Last, im Winter bildet sich Eis, und eine undichte Stelle unter der Pfütze bekommt ständig Wasser. Typische Ursachen sind zu wenig Gefälle, die Durchbiegung des Tragwerks und verstopfte Abläufe. Ob gehandelt werden muss, beurteilt der Dachdecker. Aus der Luft lässt sich zeigen, wo das Wasser steht, wie groß die Flächen sind und in welchem Zustand die Abläufe sind.

Sind Pfützen auf dem Flachdach normal?

In Deutschland regeln vor allem zwei Regelwerke die Abdichtung von Flachdächern. Das ist zum einen die Fachregel für Abdichtungen des Dachdeckerhandwerks, auch Flachdachrichtlinie genannt, in der Ausgabe von Januar 2026. Zum anderen die DIN 18531, die im August 2025 überarbeitet erschienen ist. Welches Regelwerk für ein bestimmtes Dach gilt, sollte im Vertrag vereinbart sein.

Nach den Zusammenfassungen von Baunetz Wissen sollen Dachflächen nach beiden Regelwerken in der Regel mit einem Gefälle von mindestens 2 Prozent geplant werden. Gefällelose Flächen sind nur in begründeten Fällen vorgesehen, etwa bei Bestandsgebäuden, bei denen die Lage der Entwässerung vorgegeben ist.

Gleichzeitig halten beide Regelwerke fest, dass Pfützen auch bei geplantem Gefälle entstehen können. Als Gründe nennen sie die Durchbiegung des Tragwerks, zulässige Ebenheitstoleranzen und Unebenheiten an Überlappungen der Bahnen. Das betrifft nach Baunetz Wissen Flächen mit einer Neigung bis etwa 5 Prozent. Nach der Darstellung von Baunetz Wissen zur überarbeiteten DIN 18531 sind kurzzeitige Pfützen nicht grundsätzlich als Mangel zu bewerten, solange die Abdichtung dauerhaft funktioniert und die Entwässerung ordnungsgemäß arbeitet.

Ob im Einzelfall ein Mangel vorliegt, ist eine Frage für Fachleute und im Streitfall für Sachverständige. Dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung.

Woher kommt das stehende Wasser?

  • Zu wenig Gefälle oder Gegengefälle. Ältere Dächer sind oft ohne nennenswertes Gefälle gebaut. Bei späteren Arbeiten kann sich außerdem ein Gegengefälle eingestellt haben.
  • Durchbiegung des Tragwerks. Gerade leichte Hallendächer, etwa aus Trapezblech, biegen sich in Feldmitte durch. Dort sammelt sich Wasser, obwohl das Dach mit Gefälle geplant wurde.
  • Verstopfte Abläufe. Laub, Kies, Moos und Bewuchs setzen Abläufe und Laubfänge zu. Das Wasser staut sich dann rund um den Ablauf.
  • Abläufe an der falschen Stelle. Abläufe gehören an die Tiefpunkte der Dachfläche. Liegen sie höher, bleibt das Wasser daneben stehen.
  • Unebenheiten in der Abdichtung. Nähte, Überlappungen, Verstärkungen und eingedrückte Dämmung, etwa entlang von Wartungswegen, bilden flache Mulden.
  • Aufbauten, die das Wasser aufhalten. Unterkonstruktionen von PV-Anlagen, Ballast, Lüftungsgeräte und Kiesleisten können den Abfluss bremsen.

Welche Folgen kann stehendes Wasser haben?

  • Schnellere Alterung der Abdichtung. Baunetz Wissen beschreibt, dass dauernd stehendes Wasser auf gefällelosen Abdichtungen den biologischen und chemischen Abbau von Bitumen beschleunigt. Dazu kommen Zonen, die im Sommer abwechselnd nass und trocken sind.
  • Eis im Winter. Gefriert das Wasser, wirkt das Eis auf die Dachhaut ein und belastet Anschlüsse und Durchdringungen.
  • Zusätzliche Last. Jeder Zentimeter Wasser bringt auf jedem Quadratmeter rund zehn Kilogramm Gewicht auf das Dach. Bei großen Flächen und leichten Konstruktionen kommt so einiges zusammen. Biegt sich das Dach unter dem Wasser weiter durch, kann sich noch mehr Wasser sammeln.
  • Schmutz und Bewuchs. Wenn das Wasser verdunstet, bleiben Schlamm und Nährstoffe zurück. Darin wachsen Moos und Pflanzen, deren Wurzeln die Abdichtung angreifen und Abläufe weiter zusetzen können.
  • Undichtigkeit. Liegt unter einer Pfütze eine schadhafte Stelle, bekommt sie bei jedem Regen lange Wasser. Wasser läuft unter der Abdichtung oft weit, bevor es innen sichtbar wird. Wie man der Ursache auf die Spur kommt, steht im Beitrag Flachdach undicht, aber wo?
  • Technik im Wasser. Liegen Kabel oder Steckverbinder einer PV-Anlage in einer Pfütze, kann Feuchte eindringen. Ein möglicher Folgefehler ist im Beitrag Isolationsfehler an der PV-Anlage beschrieben.

Wann sollten Sie handeln?

Diese Anzeichen sprechen dafür, einen Dachdecker hinzuzuziehen.

  • Das Wasser steht noch Tage nach dem letzten Regen.
  • Die Wasserflächen werden von Jahr zu Jahr größer oder entstehen an neuen Stellen.
  • Rund um Abläufe staut sich Wasser, oder es läuft über Notüberläufe oder die Attika ab, obwohl es nur normal geregnet hat.
  • In den Wasserstellen zeigen sich Blasen, Risse, Bewuchs oder Schlamm.
  • Innen gibt es Wasserflecken oder Tropfstellen.
  • Die Dachfläche biegt sich sichtbar durch.

Ein Notüberlauf ist kein Ersatz für einen freien Ablauf. Er sichert die Entwässerung, wenn der reguläre Ablauf verstopft oder überlastet ist. Läuft er häufig, stimmt mit der Hauptentwässerung etwas nicht. Bei sichtbarer Durchbiegung sollte zusätzlich ein Tragwerksplaner das Dach beurteilen.

Was tut der Dachdecker?

Wir sind keine Dachdecker und reparieren nichts. Je nach Ursache kommen für den Fachbetrieb zum Beispiel diese Maßnahmen in Frage.

  • Abläufe und Laubfänge reinigen und das Dach regelmäßig warten. Die Fachregel enthält dafür ein eigenes Kapitel zu Pflege und Wartung.
  • Die Ebenheit der Dachfläche nivellieren, um Tiefpunkte und Mulden genau zu bestimmen.
  • Zusätzliche Abläufe an den Tiefpunkten setzen. Bei Dächern ohne Gefälle nennt Baunetz Wissen die Stellen der größten Durchbiegung.
  • Bei einer Sanierung mit Gefälledämmung oder Gefälleestrich nachträglich Gefälle herstellen.
  • Bei geringem Gefälle die Abdichtung verstärken.
  • Die Notentwässerung prüfen.

Steht am Ende die vollständige Erneuerung der Abdichtung an, sollten Eigentümer in NRW die Solarpflicht bedenken. Mehr dazu im Beitrag Solarpflicht in NRW bei der Dachsanierung.

Wie helfen Befliegung und 3D-Modell?

Auf großen Hallendächern ist stehendes Wasser vom Boden aus kaum zu sehen. Eine Befliegung erfasst die ganze Fläche, ohne dass jemand das Dach betreten muss.

  • Lage und Fläche der Wasserstellen. Ein Orthofoto liefert eine maßstäbliche Draufsicht. Darauf lassen sich alle Wasserflächen einzeichnen und ihre Größe abschätzen.
  • Kurzzeitig oder dauerhaft. Eine zweite Befliegung einige Tage nach dem Regen zeigt, welche Pfützen abgetrocknet sind und welche bleiben.
  • Höhenverlauf. Aus den Luftbildern entsteht ein 3D-Modell mit Punktwolke. Daran lassen sich Mulden und Tiefpunkte erkennen. Wie genau das Modell ist, hängt von Flughöhe, Positionsbestimmung und Objekt ab. Für die Planung einer Sanierung misst der Dachdecker die Höhen deshalb selbst nach.
  • Abläufe und Notüberläufe. Fotos aus der Nähe zeigen, ob Abläufe frei, zugewachsen oder zugestellt sind.
  • Zustand der Abdichtung. In und um die Wasserstellen werden Blasen, Risse, offene Nähte und Bewuchs sichtbar.
  • Feuchte in der Dämmung. Wärmebildaufnahmen können zeigen, wo die Dämmung nass sein könnte. Dafür muss die Oberfläche trocken sein. Am besten eignen sich Aufnahmen am Abend nach einem sonnigen, trockenen Tag.

Werden die Befliegungen über mehrere Jahre wiederholt, lässt sich vergleichen, ob sich Wasserstellen ausbreiten. Was eine Befliegung darüber hinaus zeigt, lesen Sie im Beitrag Dachinspektion mit Drohne.

So unterstützen wir Sie

Wir befliegen Ihr Flachdach und liefern Fotos, ein Orthofoto und auf Wunsch ein 3D-Modell. Darauf markieren wir Wasserstellen, Abläufe und Schäden mit Ort und Dringlichkeit. Ihr Dachdecker sieht damit vorab, wo das Wasser steht und wo er ansetzen sollte. Mehr dazu unter Flachdach prüfen, Fragen beantworten wir gern über den Kontakt.

Quellen

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