Ratgeber · Photovoltaik

Hagelschaden an der PV-Anlage. So erkennen Sie ihn und dokumentieren ihn für die Versicherung

Nach Hagel geht die Sicherheit vor, dann zählt eine saubere Dokumentation. Welche Schäden an Solarmodulen typisch sind, was Wärmebild und Foto zeigen und was Versicherer meist sehen wollen.

6 Min. Lesezeit · Stand 12. Oktober 2026

Einen Hagelschaden an der PV-Anlage erkennen Sie zuerst an Glasbruch, Sprüngen im Modulglas oder Dellen in Rahmen und Unterkonstruktion. Ein Teil der Schäden bleibt aber unsichtbar, vor allem feine Risse in den Solarzellen. Betreten Sie das Dach nicht und fassen Sie nichts an, denn beschädigte Module führen bei Licht weiter Spannung. Melden Sie den Schaden zeitnah Ihrer Versicherung und halten Sie Datum, Unwetter, Fotos und die betroffenen Module fest. Wärmebild und Fotos aus der Luft helfen, jeden Schaden einem Modul zuzuordnen. Was genau versichert ist, regelt Ihr Vertrag.

Welche Schäden verursacht Hagel an Solarmodulen?

Der Schweizer Fachverband Swissolar nennt in seinem Merkblatt zu Hagelschäden vier typische Schadensarten an PV-Modulen.

  • Glasbruch. Das Frontglas springt oder zerbricht, oft in einem Muster wie ein Spinnennetz.
  • Mikrorisse in den Zellen. Feine Risse im Silizium, die man mit bloßem Auge nicht sieht.
  • Schäden am Modulrahmen. Dellen und Verformungen an Rahmen und Befestigung.
  • Isolationsfehler. Durch Glasbruch oder beschädigte Kabel kann der Isolationswiderstand sinken.

Dazu kommen Schäden am Dach selbst, etwa an Lichtkuppeln, Abdichtung oder Blechen. Wie Sie solche Schäden erfassen, steht im Beitrag Sturmschaden am Dach dokumentieren.

Hagelschäden treten nach Swissolar meist sehr kleinräumig auf. Schon zwei Dachflächen desselben Gebäudes können ganz unterschiedlich betroffen sein. Eine Auswertung von Versicherungsdaten aus den Niederlanden, über die das pv magazine berichtet hat, kommt zu dem Schluss, dass große Hagelkörner im Schnitt mehr Schaden anrichten. Wie die Dachfläche zur Zugrichtung des Gewitters lag, wog dort womöglich sogar schwerer als die Korngröße.

Solarmodule werden bei der Typprüfung nach IEC 61215 unter anderem mit Eiskugeln beschossen. Das ist ein Mindestmaß und kein Schutz gegen jedes Unwetter. Größere oder schnellere Hagelkörner als im Test können auch geprüfte Module beschädigen.

Warum sind Mikrorisse so tückisch?

Mikrorisse entstehen in den Zellen unter dem Glas. Das Modul sieht von außen oft unversehrt aus und liefert zunächst fast normalen Ertrag. Mit Schnee, Wind und Temperaturwechseln können sich die Risse aber vergrößern. Werden dabei Teile einer Zelle elektrisch abgetrennt, tragen sie nicht mehr zum Strom bei und können sich zu einem Hotspot im Solarmodul entwickeln.

Swissolar weist darauf hin, dass die Leistung einer so beschädigten Anlage deshalb erst nach einigen Jahren sinken kann. Große Ertragseinbußen ohne jeden sichtbaren Schaden hält der Verband für unwahrscheinlich, aber schwer zu beurteilen. Er empfiehlt, den Ertrag nach einem Hagelereignis über die folgenden Jahre genau mit den Vorjahren zu vergleichen.

Was sollten Sie nach dem Hagel zuerst tun?

Ihre Sicherheit geht vor. Ein beschädigtes Modul ist keine Glasscheibe wie jede andere.

  • Betreten Sie das Dach nicht selbst. Scherben, nasse Flächen und nicht durchtrittsichere Lichtkuppeln sind gefährlich.
  • Fassen Sie Module, Kabel und Gestell nicht an. Solange Licht auf die Module fällt, erzeugen sie Spannung, auch wenn der Wechselrichter abgeschaltet ist.
  • Sperren Sie den Bereich unter der Traufe ab, wenn sich Glasscherben lösen und herabfallen können.
  • Bei Glasbruch oder stark verformten Modulen empfiehlt Swissolar, den betroffenen Anlagenteil möglichst schnell abzuschalten und die Gleichstromkreise zu trennen. Das ist Aufgabe einer Elektrofachkraft.
  • Notieren Sie Meldungen des Wechselrichters. Ein gemeldeter Isolationsfehler an der PV-Anlage ist nach Hagel ein ernstes Warnsignal.
  • Melden Sie den Schaden zeitnah Ihrer Versicherung, bevor Sie größere Reparaturen beauftragen.

Swissolar rät, bei der Begutachtung zuerst eine Isolationsmessung zu machen. Erst danach entscheidet die Fachkraft, ob die Anlage gefahrlos wieder in Betrieb gehen kann.

Was will die Versicherung sehen?

Was im Einzelfall verlangt wird, hängt vom Versicherer und vom Vertrag ab. In der Regel hilft eine Dokumentation, die ein Außenstehender ohne Ortstermin versteht. Diese Unterlagen gehören dazu.

  • Datum, ungefähre Uhrzeit und Ort des Unwetters, dazu eine Unwetterbestätigung eines Wetterdienstes, falls verfügbar
  • Übersichtsfotos der Anlage und Detailfotos der Schäden, mit erhaltenem Datum in den Bilddateien
  • eine Liste der betroffenen Module mit ihrer Lage, am besten im Belegungsplan
  • Monitoringdaten vor und nach dem Hagel, die einen Leistungsabfall zeigen
  • Meldungen des Wechselrichters
  • Belege für Notmaßnahmen wie Abschaltung, Absperrung oder Sicherung loser Scherben
  • auf Anfrage eine Kostenschätzung oder ein Angebot des Fachbetriebs

Der Gesamtverband der Versicherer rät, Schäden sofort zu melden und mit dem Aufräumen oder Reparieren zu warten, bis der Schadenumfang feststeht. Notmaßnahmen gegen Folgeschäden sind davon ausgenommen. Bei größeren Schäden schickt der Versicherer häufig einen Gutachter. Swissolar empfiehlt außerdem, ausgebaute Module aufzubewahren, bis der Fall abgeschlossen ist.

Prüfen Sie auch, wie Ihre Anlage versichert ist. Nach der Verbraucherzentrale lässt sich eine PV-Anlage oft über die Wohngebäudeversicherung absichern, alternativ über eine eigene PV-Versicherung. Ob die Anlage tatsächlich eingeschlossen ist und ob auch ein Ertragsausfall ersetzt wird, steht in den Versicherungsbedingungen.

Was zeigen Wärmebild und Foto zusammen?

Ein Foto zeigt, was man sehen kann. Dazu gehören Glasbruch, Sprünge, Dellen im Rahmen und verschobene Module. Das Wärmebild der laufenden Anlage zeigt, wo Zellen, Modulteile oder ganze Module wärmer werden als ihre Nachbarn. Zusammen ergibt sich ein klareres Bild. Eine warme Stelle mit Glasbruch darüber ist etwas anderes als eine warme Stelle ohne sichtbaren Schaden.

Swissolar hält fest, dass Hotspots nach Hagel vor allem zusammen mit sichtbaren Schäden auftreten. Bei intaktem Glas lassen sich Zellbrüche und Mikrorisse mit dem Wärmebild in der Regel nicht erkennen. Ein unauffälliges Wärmebild ist deshalb kein Beweis, dass keine Mikrorisse vorhanden sind. Was die Methode grundsätzlich leisten kann, beschreibt der Beitrag Wärmebild von der PV-Anlage.

Für aussagekräftige Wärmebilder muss die Anlage einspeisen. Die Praxis nennt mit Bezug auf die IEC TS 62446-3 eine Einstrahlung von mindestens etwa 600 W/m² auf die Modulebene, wenig Wind und kaum Wolken. Fotos lassen sich dagegen auch bei bedecktem Himmel aufnehmen. Ist die Anlage aus Sicherheitsgründen abgeschaltet, bleibt die Befliegung zunächst bei Fotos und Orthofoto. Das Wärmebild folgt, wenn die Fachkraft die Anlage wieder freigegeben hat.

Aus der Luft lässt sich die ganze Anlage erfassen, ohne dass jemand das beschädigte Dach betritt. Jeder Befund wird einem Modul zugeordnet. So sprechen Versicherer, Gutachter und Fachbetrieb über dieselbe Stelle.

Wann ist eine Elektrolumineszenz-Prüfung sinnvoll?

Mikrorisse macht die Elektrolumineszenz sichtbar. Dabei wird eine Spannung an das Modul gelegt, und eine spezielle Kamera nimmt das schwache Leuchten der Zellen im Dunkeln auf. Gerissene und abgetrennte Bereiche bleiben dunkel. Nach Swissolar werden die Module dafür ausgebaut und in ein Prüfzentrum geschickt oder vor Ort in einem mobilen Messlabor geprüft.

Weil das aufwendig ist, empfiehlt der Verband die Prüfung vor allem bei dringendem Verdacht. Das kann etwa sein, wenn der Ertrag nach dem Hagel deutlich nachlässt oder wenn Versicherer und Betreiber über den Umfang des Schadens streiten. Ein förmliches Gutachten erstellt in solchen Fällen ein Sachverständiger.

Wer übernimmt was?

  • Die Elektrofachkraft schaltet ab, misst die Isolation und entscheidet über die Wiederinbetriebnahme.
  • Der Fachbetrieb tauscht beschädigte Module und erstellt die Kostenschätzung.
  • Versicherer und Gutachter bewerten den Schaden und regulieren ihn.
  • Ein Sachverständiger erstellt bei Bedarf ein Gutachten, etwa mit Elektrolumineszenz.

Wir liefern die Bilddaten und einen Befund. Reparaturen, Messungen und Gutachten übernehmen wir nicht. Wenn nach dem Austausch einzelner Module der Ertrag hinter den Erwartungen zurückbleibt, hilft der Beitrag Warum bringt meine PV-Anlage weniger Ertrag als erwartet?

So unterstützen wir Sie

Wir befliegen Ihre PV-Anlage nach einem Hagelereignis und liefern Übersichts- und Detailfotos, ein Orthofoto und bei passenden Bedingungen Wärmebildaufnahmen. Jede Auffälligkeit ordnen wir einem Modul zu und stufen sie nach Dringlichkeit ein. Als Elektroniker und Elektrokonstrukteure ordnen wir die Befunde ein, damit Ihre Elektrofachkraft gezielt messen kann und Ihre Versicherung nachvollziehbare Unterlagen bekommt. Mehr dazu unter PV-Anlage prüfen lassen, Ihre Anfrage erreicht uns über den Kontakt.

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