Tauben unter der Solaranlage sind vor allem lästig und verschmutzen Dach und Module. Kot auf den Modulen kostet Ertrag und kann einzelne Zellen überhitzen. Nester sammeln trockenes Material unter den Modulen und können die Hinterlüftung behindern. Kabel, die bei der Montage nicht ordentlich befestigt wurden, können beschädigt werden. Abhilfe schafft ein dauerhafter, tierschutzgerechter Verschluss der Modulränder, den ein Fachbetrieb montiert. Vorher muss klar sein, ob noch Jungtiere unter den Modulen sitzen. Eine Befliegung zeigt Kot, Nistmaterial an den Rändern, offene Stellen und den Zustand eines vorhandenen Schutzes. Unter die Module sieht sie von oben aber nur begrenzt.
Warum nisten Tauben unter Solarmodulen?
Die Haustaube ist ein Höhlenbrüter. Sie baut keine Nester in Bäumen, sondern sucht geschützte Nischen. Weil viele Dachböden heute verschlossen sind, nutzen Tauben die Lücke zwischen Modulen und Dach, wie ein Ratgeber des ZDF beschreibt. Dort sind sie vor Wetter und Fressfeinden geschützt.
Der Landesbeirat für Tierschutz Baden-Württemberg weist darauf hin, dass Tauben standorttreu sind. Haben sie einen Brutplatz gefunden, kommen sie wieder, und die Zahl der Tiere kann schnell wachsen. Wer früh handelt, hat es deshalb meist leichter.
Welche Schäden drohen durch Tauben?
Die Folgen reichen von lästig bis technisch relevant.
- Kot auf den Modulen. Er deckt einzelne Zellen ab. Weil die Zellen in Reihe geschaltet sind, bremst eine abgedeckte Zelle den ganzen Strang. Bleibt der Kot liegen, kann die Zelle dauerhaft wärmer werden als ihre Nachbarn. Mehr dazu im Beitrag Hotspot im Solarmodul und im Beitrag Verschmutzte PV-Anlage.
- Kot auf Dach, Balkon und Terrasse. Der Landesbeirat nennt Verschmutzung, Geruch und Lärm als Belastung für die Bewohner. Ein im ZDF zitierter Fachmann für Taubenschutz sieht in Haushalten mit Kleinkindern auch ein hygienisches Problem.
- Nistmaterial unter den Modulen. Zweige, Halme und Federn sammeln sich zwischen Modul und Dach. Nach photovoltaik.info behindert das die Luftzirkulation, die die Module kühlt.
- Kabel und Steckverbinder. Der im ZDF zitierte Fachmann hält die Gefahr für die Technik insgesamt für gering. Eine Ausnahme sind Kabel, die bei der Montage nicht ordnungsgemäß hochgebunden wurden. Beschädigte Isolierungen können nach photovoltaik.info zu Kurzschlüssen und Lichtbögen führen. Ein möglicher Folgefehler ist im Beitrag Isolationsfehler an der PV-Anlage beschrieben.
- Wasser und Entwässerung. Sehr selten kann sich nach dem ZDF-Bericht bei großen, über Jahre gewachsenen Nestern Wasser unter den Modulen stauen. Auf Flachdächern können Nistmaterial und Kot außerdem in Rinnen und vor Abläufe geraten. Was dann passieren kann, beschreibt der Beitrag Dachablauf am Flachdach verstopft.
Besteht Brandgefahr durch Taubennester?
Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Der Brandmeldehersteller Securiton nennt in einem Informationsblatt Tierverbiss und Überhitzung durch Tiernester als äußere Einflüsse, die bei PV-Anlagen zu einem Brand beitragen können. Als häufige Risikostellen nennt er aber vor allem schlechte oder gealterte Kontakte in Anschlussdosen, Steckverbindern, Sammelkästen und Wechselrichtern. Im selben Blatt steht, dass PV-Anlagen im Vergleich zu anderen technischen Anlagen kein erhöhtes Brandrisiko darstellen.
Trockenes Nistmaterial neben einem schlechten Steckverbinder ist trotzdem eine ungünstige Kombination. Ob an einer bestimmten Stelle Handlungsbedarf besteht, beurteilt eine Elektrofachkraft vor Ort.
Was gilt beim Tierschutz?
Der Landesbeirat für Tierschutz Baden-Württemberg hat sich 2023 mit Tauben unter PV-Anlagen befasst. Er gibt dazu diese Hinweise.
- Bei jeder Abwehrmaßnahme muss sichergestellt sein, dass keine Tiere eingeschlossen werden, vor allem keine Jungtiere, die sich noch nicht selbst versorgen können.
- Tiere dürfen sich im Schutz nicht verfangen oder verletzen. Das gilt auch für nachträglich angebrachte Vogelabwehr.
- Bereits besiedelte Anlagen müssen oft teilweise abgebaut werden, damit Nester tierschutzgerecht entfernt werden können.
- Sind Küken vorhanden, empfiehlt der Beirat, Taubenschutzinitiativen oder Tierschutzvereine einzubinden, damit die Jungtiere weiter versorgt werden.
- Besonders wichtig ist Vorbeugung, also ein Schutz, der schon bei der Installation mit eingeplant wird.
Welche Regeln im Einzelfall gelten, können Sie bei der zuständigen Behörde oder einem örtlichen Tierschutzverein erfragen. Laut dem ZDF-Bericht kritisieren Tierschutzorganisationen Spikes und Netze. Der dort zitierte Fachmann verweist außerdem auf betreute Taubenschläge, die manche Gemeinden eingerichtet haben.
Wer montiert den Taubenschutz?
Den Schutz montiert ein Fachbetrieb, etwa der Errichter der Anlage, ein Solarteur oder ein Betrieb, der auf Taubenabwehr oder Modulreinigung spezialisiert ist. Wir montieren keinen Taubenschutz und entfernen keine Nester.
Nach dem ZDF-Bericht wird ein solcher Schutz nicht vom Modulhersteller mitgeliefert und muss separat angebracht werden. Häufig werden die Modulränder mit Gittern verschlossen. Achten Sie bei der Auswahl auf diese Punkte.
- Lückenlos und dauerhaft. Der Landesbeirat empfiehlt, die Modulfelder rundum dauerhaft und lückenlos in tierschutzgerechter Weise zu verschließen.
- Hinterlüftung erhalten. Der Schutz darf die Luftzufuhr unter den Modulen nicht stark einschränken, sonst leidet der Ertrag.
- Garantie beachten. Die Befestigung sollte so gewählt werden, dass die Garantie der Module erhalten bleibt. Bohrungen im Modulrahmen führen nach dem ZDF-Bericht in der Regel zum Verlust der Herstellergarantie. Fragen Sie vor der Montage, wie der Schutz befestigt wird.
- Vorher reinigen und prüfen. Kot und Nistmaterial sollten entfernt sein, bevor der Rand verschlossen wird. Gibt es Hinweise auf beschädigte Kabel, sollte vorher eine Elektrofachkraft nachsehen.
Was ein Taubenschutz kostet, hängt vor allem von der Erreichbarkeit des Daches und der Länge der Modulränder ab. Holen Sie dafür ein Angebot ein.
Was zeigt eine Befliegung und was nicht?
Gerade auf großen oder steilen Dächern ist vom Boden aus wenig zu erkennen. Eine Befliegung erfasst das ganze Dach, ohne dass jemand hinaufsteigt.
- Kot auf Modulen und Dach. Fotos zeigen, wo Kot liegt und wie stark die Module betroffen sind. Jeder Befund wird einem Modul zugeordnet.
- Warme Zellen unter Kot. Das Wärmebild der laufenden Anlage zeigt, ob Zellen unter Kot bereits wärmer werden als ihre Nachbarn.
- Nistmaterial und Einflugstellen. Material, das an den Modulrändern herausragt, und offene Spalten zwischen Modulfeld und Dach sind auf Schrägaufnahmen gut zu sehen.
- Zustand eines vorhandenen Schutzes. Lose, verbogene oder lückenhafte Gitter werden sichtbar.
- Hängende Kabel. Kabel, die unter den Modulrändern heraushängen, fallen auf.
- Länge der Modulränder. Aus einem Orthofoto lässt sich abschätzen, wie viel Randlänge zu verschließen ist. Das hilft dem Fachbetrieb beim Angebot. Für die Bestellung misst er selbst nach.
Ehrlich gesagt sind die Grenzen hier deutlich. Von oben sieht man nur die Ränder des Modulfelds und ein Stück darunter, nicht die Mitte. Ob unter einem Modul ein Nest mit Eiern oder Jungtieren liegt, lässt sich aus der Luft nicht sicher sagen. Auch das Wärmebild schaut nicht durch das Modul hindurch. Kabel und Steckverbinder unter den Modulen bleiben meist verdeckt. Verbiss zeigt sich oft erst, wenn ein Modul angehoben wird oder der Wechselrichter einen Isolationsfehler meldet. Diese Kontrolle übernimmt der Fachbetrieb vor Ort.
Was können Sie selbst tun?
- Beobachten Sie vom Boden aus mit einem Fernglas, wo Tauben unter die Module fliegen.
- Achten Sie auf Kot, Federn und Nistmaterial an Traufe, Rinnen und Balkon.
- Behalten Sie den Ertrag im Monitoring im Blick und notieren Sie Meldungen des Wechselrichters.
- Steigen Sie nicht selbst aufs Dach. Betreten Sie keine Module und entfernen Sie keine Nester auf eigene Faust.
- Planen Sie bei einer neuen Anlage den Taubenschutz gleich mit ein.
So unterstützen wir Sie
Wir befliegen Ihre PV-Anlage mit Foto- und Wärmebildkamera und dokumentieren Verschmutzung, offene Modulränder, sichtbares Nistmaterial und den Zustand eines vorhandenen Schutzes mit Ort und Dringlichkeit. Als Elektroniker und Elektrokonstrukteure ordnen wir ein, wo Wärmeauffälligkeiten oder hängende Kabel eine Messung durch Ihre Elektrofachkraft nahelegen. Montage, Reinigung und das Entfernen von Nestern übernimmt Ihr Fachbetrieb. Mehr dazu unter PV-Anlage prüfen lassen, wir sind in OWL, im Münsterland und in ganz NRW im Einsatz und erreichbar über den Kontakt.
Quellen
- ZDFheute Ratgeber, Tauben vertreiben und Taubenschutz für PV-Anlagen, November 2024
- Land Baden-Württemberg, Landesbeirat für Tierschutz zu Taubenabwehr an Photovoltaikanlagen, November 2023
- photovoltaik.info zu Vogeldreck und Nistmaterial unter Solarmodulen
- Securiton Deutschland, Informationsblatt Brandschutz bei Photovoltaik-Anlagen