Wenn ein Flachdach undicht ist, liegt die Leckstelle oft nicht dort, wo innen das Wasser auftaucht. Wasser läuft unter der Abdichtung häufig weit, bevor es sichtbar wird. Deshalb lohnt es sich, schrittweise vorzugehen. Zuerst sehen Sie sich die typischen Schwachstellen an, dann werden feuchte Bereiche eingegrenzt, und zum Schluss wird das Leck punktgenau geortet. Die punktgenaue Leckortung und die Reparatur übernimmt der Dachdecker oder ein Leckortungsbetrieb.
Warum der Wasserfleck innen in die Irre führen kann
Ein Flachdach besteht aus mehreren Schichten. Unter der Abdichtung liegt meist eine Dämmung, darunter eine Dampfsperre und die Tragkonstruktion, bei Hallen oft Trapezblech oder Beton. Dringt Wasser durch eine kleine Fehlstelle in der Abdichtung ein, verteilt es sich in der Dämmung und läuft auf der Dampfsperre entlang. Erst an einer Fuge, einem Stoß oder einer Durchdringung tropft es nach unten. Das kann ein ganzes Stück vom eigentlichen Leck entfernt sein.
Nicht jede Feuchte ist außerdem ein Leck. Auch Tauwasser kann sich bilden, wenn warme, feuchte Raumluft durch Lücken in der Dampfsperre in die Dämmung gelangt und dort kondensiert. Das Schadensbild sieht ähnlich aus, die Ursache ist eine andere.
Typische Schwachstellen am Flachdach
- Anschlüsse an Attika, aufgehende Wände und Dachrandabschlüsse
- Lichtkuppeln, Lichtbänder und Rauchabzüge
- Durchdringungen für Lüfter, Rohre, Kabel und Halterungen, etwa von PV-Unterkonstruktionen oder Blitzschutz
- Dachabläufe und Notüberläufe, besonders wenn sie verstopft sind
- Nähte und Stöße der Abdichtungsbahnen
- mechanische Schäden durch Begehung, Wartungsarbeiten, Hagel oder Sturm
- gealterte Bahnen mit Rissen, Blasen oder Falten
Nach einem Unwetter lohnt sich ein genauer Blick. Wie Sie einen Sturmschaden für die Versicherung festhalten, steht im Beitrag Sturmschaden am Dach dokumentieren.
Woran Sie ein undichtes Flachdach merken
- Wasserflecken, Tropfen oder Verfärbungen an der Decke
- muffiger Geruch, Schimmel oder Rost an der Unterseite von Trapezblechen
- Pfützen auf dem Dach, die lange nach dem Regen noch stehen
- Blasen, Falten oder Risse in der Abdichtung
- Moos oder Pflanzenbewuchs auf der Dachfläche
- steigende Heizkosten, weil nasse Dämmung schlechter dämmt
Was Sie selbst prüfen können
Beobachten Sie genau, wann das Wasser auftritt. Kommt es nur nach starkem Regen, bei Wind aus einer bestimmten Richtung, nach Tauwetter oder auch bei trockenem Wetter? Tritt Feuchte auch ohne Regen auf, kommen eher Tauwasser oder eine undichte Leitung in Betracht.
Markieren Sie die Stellen innen, fotografieren Sie sie mit Datum und notieren Sie das Wetter. Halten Sie fest, ob zuletzt jemand auf dem Dach gearbeitet hat, etwa an Lüftung, Klimatechnik oder PV-Anlage. Unterlagen zum Dachaufbau und zu früheren Reparaturen helfen dem Dachdecker.
Das Dach selbst sollten Sie nur betreten, wenn es einen sicheren Zugang und eine Absturzsicherung gibt. Auf Hallendächern sind Lichtkuppeln und Lichtbänder oft nicht durchtrittsicher. Im Zweifel überlassen Sie die Begehung Fachleuten.
Wie eine Befliegung bei der Eingrenzung hilft
Eine Drohnenbefliegung ersetzt keine Leckortung. Sie kann die Suche aber eingrenzen, besonders auf großen Hallendächern.
Hochauflösende Fotos zeigen die ganze Dachfläche im Detail. Beschädigte Nähte, offene Anschlüsse, verstopfte Abläufe, Pfützen und Bewuchs werden sichtbar, ohne dass jemand das Dach begehen muss. Ein Orthofoto liefert eine maßstäbliche Draufsicht. Darauf lassen sich Befunde vom Dach und Schäden im Gebäude einander zuordnen.
Das Wärmebild kann feuchte Bereiche sichtbar machen. Nasse Dämmung speichert Wärme länger als trockene. Abends oder nachts nach einem sonnigen, trockenen Tag zeichnen sich feuchte Flächen deshalb oft als wärmere Bereiche ab. Die Oberfläche muss dabei trocken sein.
Wo die Grenzen liegen
Das Wärmebild zeigt einen Feuchteverdacht, nicht die Fehlstelle in der Abdichtung. Ob die Dämmung wirklich nass ist, klärt der Dachdecker zum Beispiel mit einer Feuchtemessung oder einer Probeöffnung. Kiesschüttungen und Gründächer können die Aussage stark einschränken. Auch beheizte Räume, Technik unter dem Dach oder Wärmebrücken erzeugen warme Flächen, die nichts mit Feuchte zu tun haben. Und wenn Wetter oder Tageszeit nicht passen, bleibt das Bild ohne Aussage.
Die punktgenaue Ortung macht der Dachdecker
Wir sind kein Dachdecker. Die punktgenaue Leckortung und die Reparatur übernimmt der Dachdecker oder ein spezialisierter Leckortungsbetrieb. Dafür gibt es eigene Verfahren, etwa Rauchgas, Elektroimpuls oder Tracergas. Mit Fotos, Orthofoto und den markierten Verdachtsflächen aus dem Wärmebild kann er gezielter ansetzen.
Zeigt sich, dass die Abdichtung vollständig erneuert werden muss, sollten Eigentümer in NRW die Solarpflicht bedenken. Seit dem 1. Januar 2026 gilt sie nach § 42a BauO NRW auch bei der vollständigen Erneuerung der Dachabdichtung von Gebäuden mit mehr als 50 m² Nutzfläche. Reparaturen an Teilflächen fallen nicht darunter. Mehr dazu im Beitrag Solarpflicht in NRW bei der Dachsanierung.
So unterstützen wir Sie
Wir befliegen Ihr Flachdach und liefern hochauflösende Fotos, ein Orthofoto und bei passenden Bedingungen Wärmebilder mit markierten Verdachtsflächen, jeweils mit Ort und Dringlichkeit. Wir reparieren keine Dächer und orten keine Lecks punktgenau. Ihr Dachdecker kann mit unseren Daten aber direkt weiterarbeiten. Mehr dazu unter Flachdach prüfen, Fragen beantworten wir gern über den Kontakt.