Fallbeispiel

Windenergie

Rotorblätter aus der Luft statt am Seil. Ein Fallbeispiel aus einem Bürgerwindpark

Bei der wiederkehrenden Prüfung sollte die Außenprüfung der Rotorblätter diesmal per Drohne laufen. So lief die Zusammenarbeit mit Betriebsführung und Sachverständigem.

Objekt
Bürgerwindpark mit drei Windenergieanlagen an Land
Anlass
Die wiederkehrende Prüfung stand an, und nach einem Hagelunwetter wollte die Betriebsführung die Vorderkanten sehen.
Ergebnis
Lückenlose Blattaufnahmen mit Befundliste, Erosion an den Vorderkanten und ein Hinweis zum Blitzschutz, bewertet durch den Sachverständigen.

Dieses Fallbeispiel ist erfunden. Objekt, Ablauf und Befunde sind so gewählt, wie sie bei solchen Einsätzen typischerweise vorkommen. Es handelt sich nicht um einen Kundenauftrag. Berichte aus der Branche finden Sie im Abschnitt Aus der Praxis.

Kann eine Drohne bei der wiederkehrenden Prüfung die handnahe Außenprüfung der Rotorblätter ersetzen? In diesem Fallbeispiel ja, weil der Sachverständige das Verfahren vorher geprüft und freigegeben hatte. Wir haben die Blätter von drei Anlagen beflogen und die Bilddaten aufbereitet. Bewertung und Prüfbericht kamen vom Sachverständigen.

Ausgangslage

Ein Bürgerwindpark in Westfalen betreibt drei Anlagen an Land, die seit gut zehn Jahren laufen und damit innerhalb ihrer Entwurfslebensdauer liegen. Die wiederkehrende Prüfung durch einen unabhängigen Sachverständigen stand an. Sie umfasst Maschine, Rotorblätter und Turm.

Die Betriebsführung wollte die Rotorblätter diesmal per Drohne prüfen lassen, um die Anlagen kürzer stillzulegen. Nach einem Hagelunwetter im Frühjahr gab es außerdem Sorge um die Vorderkanten.

Was wir gemacht haben

Der BWE hat im März 2025 eine Anwendungsempfehlung zum Einsatz von Drohnen bei der wiederkehrenden Prüfung veröffentlicht. Danach kann eine Drohnenbefliegung unter Bedingungen die handnahe Außenprüfung der Rotorblätter ersetzen. Voraussetzung ist eine Risikobetrachtung durch einen Sachverständigen für Rotorblätter. Diese lag mit positivem Ergebnis vor. Die Prüfung der Blätter von innen blieb wie bisher.

Mit Betriebsführung und Sachverständigem haben wir vorab drei Punkte festgelegt.

  • welche Bildqualität und welche Blickrichtungen gebraucht werden, damit jedes Blatt lückenlos abgebildet ist
  • wie Befunde verortet werden, also Blatt mit Seriennummer, Abstand zur Blattwurzel sowie Druck- oder Saugseite
  • bei welchem Wetter geflogen wird. Regen, Nebel, Eisansatz und starkes Gegenlicht schließen eine Befliegung aus.

Während der Befliegung stand die jeweilige Anlage still. Der Stillstand dauerte nur so lange wie die Befliegung ihrer drei Blätter. Danach ging die Anlage wieder ans Netz. Die Messung des Blitzschutzsystems war nicht Teil unseres Auftrags. Sie richtet sich nach IEC 61400-24 und der Technischen Richtlinie des BWE.

Was wir gefunden haben

Die Befundliste haben wir je Blatt geführt und mit Bildausschnitten belegt. Die Bewertung lag beim Sachverständigen.

  1. Erosion an der Vorderkante. An allen neun Blättern war die Beschichtung im äußeren Bereich der Vorderkante angegriffen, in unterschiedlichem Ausmaß. An einem Blatt war die Schutzschicht nahe der Spitze bis auf das Laminat abgetragen.
  2. Auffälligkeit an der Hinterkante. An einem Blatt zeigte sich eine feine Linie entlang der Hinterkante. Auf den Bildern war nicht sicher zu unterscheiden, ob nur die Beschichtung oder auch die Verklebung betroffen ist.
  3. Rezeptor des Blitzschutzes. An einer Blattspitze waren am Rezeptor Abbrandspuren zu sehen. Aus elektrotechnischer Sicht deutet das auf einen Blitzeinschlag. Ob Rezeptor und Ableitung noch in Ordnung sind, klärt nur eine Messung.
  4. Verschmutzung. Mehrere Blätter hatten Ablagerungen von Insekten und Schmutz an der Vorderkante. Das ist für die Prüfung unkritisch, wurde aber dokumentiert.

Wie es weiterging

Der Sachverständige hat die Bilddaten bewertet. Beim Befund an der Hinterkante war die Lage nicht eindeutig. Eine positive Bescheinigung darf nur auf sicherer Grundlage entstehen. Deshalb hat er dieses Blatt zusätzlich handnah durch ein Seilzugangsteam prüfen lassen. Ergebnis war ein Schaden in der Deckschicht ohne Einfluss auf die Verklebung.

Den Rezeptor hat der Betreiber im Rahmen der Blitzschutzprüfung nachmessen lassen. Die Erosionsstellen hat ein Rotorblattservice ausgebessert, zuerst an dem Blatt, an dem das Laminat freilag. Die nächste wiederkehrende Prüfung erfolgt nach der BWE-Empfehlung wieder handnah.

Was andere Betreiber daraus mitnehmen können

  • Ob die Drohne die handnahe Außenprüfung ersetzen darf, entscheidet nicht der Drohnenpilot. Es braucht eine Risikobetrachtung durch den Sachverständigen.
  • Vorher klären, welche Bilder der Sachverständige braucht. Das spart Nachflüge.
  • Die Kamera sieht nur die Oberfläche. Schäden darunter zeigen sich erst spät.
  • Bilder von Prüfung zu Prüfung vergleichen. So lässt sich verfolgen, wie schnell Erosion fortschreitet.

Mehr dazu lesen Sie im Ratgeber Rotorblätter per Drohne prüfen, im Beitrag Wiederkehrende Prüfung der Windenergieanlage und auf unserer Seite Rotorblatt-Inspektion.

Aus der Praxis

Die folgenden Berichte stammen von Dritten. Es sind keine Projekte von FLYX.

Quellen

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