Bei einer Rotorblatt-Inspektion per Drohne fliegt die Drohne die stillstehenden Blätter aus mehreren Perspektiven ab und erfasst die gesamte Oberfläche in hochauflösenden Fotos. So werden Risse, Erosion an der Vorderkante, Schäden an der Hinterkante und Spuren von Blitzeinschlägen sichtbar, ohne dass ein Seilteam am Blatt arbeiten muss. Die Anlage steht nur so lange still, wie die Befliegung dauert. Die Drohne sieht allerdings nur die Oberfläche. Die Bewertung der Befunde und die wiederkehrende Prüfung bleiben Aufgabe von Sachverständigen.
Ablauf einer Blattbefliegung
Vorbereitung
Vor dem Einsatz werden Termin, Zugang und Ablauf mit Betreiber und Betriebsführung abgestimmt. Dazu gehören die Anlagendaten und die eindeutige Bezeichnung der Blätter, etwa über Seriennummern. Nach § 21h Abs. 3 LuftVO ist der Drohnenbetrieb innerhalb von 100 m seitlichem Abstand zu Anlagen der Energieerzeugung nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Betreibers zulässig. Diese Zustimmung wird vorab eingeholt.
Wetter
Die Blattoberflächen müssen ausreichend sauber und gut ausgeleuchtet sein. Bei Regen, Schneefall, Nebel, Eis- oder Schneeansatz am Blatt, in der Dämmerung, bei starkem Gegenlicht oder wenn die Kameralinse beschlägt, ist eine aussagekräftige Inspektion nach der BWE-Anwendungsempfehlung nicht möglich. Auch der Wind muss passen. Der Termin wird deshalb kurzfristig nach Wetterlage bestätigt.
Stillstand und Befliegung
Der Rotor wird angehalten, gesichert und in eine festgelegte Stellung gebracht. Dann fliegt die Drohne jedes Blatt ab, mit Vorderkante, Hinterkante, Druck- und Saugseite, von der Blattwurzel bis zur Spitze. Das geht manuell gesteuert oder automatisch entlang einer vorgegebenen Flugbahn. Danach kann die Anlage wieder in Betrieb gehen.
Auswertung
Jedes Bild wird einem Blatt eindeutig zugeordnet. Auffällige Stellen werden mit Schadensart, Lage am Blatt und ungefährer Größe beschrieben. Die Lage wird über die Position entlang des Blattes, die Blattseite und die Lage in der Profiltiefe angegeben. So findet ein Seilteam die Stelle später leichter wieder.
Was die Bilder zeigen
- Erosion und Beschichtungsschäden an der Vorderkante
- Längs- und Querrisse in der Oberfläche
- Schäden und offene Stellen an der Hinterkante
- Blitzschäden an Rezeptoren und Blattspitze
- beschädigte oder fehlende Anbauteile
- Zustand früherer Reparaturstellen
- starke Verschmutzung, die die Beurteilung erschweren kann
Wiederholte Befliegungen machen sichtbar, wie sich ein Schaden über die Zeit entwickelt. Das hilft, Reparaturen zu planen, bevor aus einem kleinen Schaden ein großer wird.
Wo die Grenzen liegen
Die Kameras erfassen nur die Oberfläche. Der BWE weist ausdrücklich darauf hin, dass Delaminationen und Schäden unter der Oberfläche deshalb erst spät erkannt werden, nämlich wenn sie sich an der Oberfläche zeigen. Eine Klopfprüfung, wie sie bei der handnahen Prüfung üblich ist, kann die Drohne nicht leisten.
Weitere Grenzen sind wichtig für die Einordnung.
- Die Prüfung im Blattinneren, soweit es einsehbar und begehbar ist, bleibt bestehen.
- Die Blitzschutzanlage der Blätter wird nach der Technischen Richtlinie des BWE zur Blitzschutzprüfung geprüft. Messungen gehören dazu, und die liefert ein Foto nicht.
- Bei unklaren Befunden ist eine weitere Prüfung nötig, etwa eine zusätzliche Befliegung oder eine handnahe Untersuchung.
- Für die Bewertung des Weiterbetriebs über die Entwurfslebensdauer hinaus verlangen die BWE-Grundsätze für den Weiterbetrieb eine handnahe Inspektion. Drohnen sind dafür nach der Anwendungsempfehlung nicht zulässig.
Was die BWE-Anwendungsempfehlung sagt
Der Sachverständigenbeirat des Bundesverbands WindEnergie hat im März 2025 eine Anwendungsempfehlung zum Einsatz von Drohnen bei der wiederkehrenden Prüfung (WKP) von Rotorblättern veröffentlicht. Sie gilt für die Außenprüfung der Blätter im Rahmen der WKP innerhalb der Entwurfslebensdauer.
Danach kann eine Drohnenbefliegung die handnahe Sicht- und Klopfprüfung außen ersetzen, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind.
- Vorher führt ein Sachverständiger für Rotorblätter eine Risikobetrachtung durch, die positiv ausfallen muss. Grundlage ist unter anderem der letzte WKP-Bericht mit handnaher Prüfung.
- Das gesamte Blatt wird aus mehreren Perspektiven erfasst, alle Bereiche müssen sichtbar sein.
- Jede Abweichung muss eindeutig einem Blatt zugeordnet werden können.
- Schäden werden nach Art, Lage und Größe beschrieben.
- Die Ergebnisse bewertet ein Sachverständiger für Rotorblätter.
Wird die handnahe Außenprüfung durch eine Drohneninspektion ersetzt, muss die darauffolgende WKP wieder handnah erfolgen. Die Drohne ersetzt das Seilteam also nicht dauerhaft, sondern im Wechsel und unter Bedingungen. Im Prüfbericht werden zusätzlich Flugmodus, eingesetzte Technik, Kamera, Wetter und Windgeschwindigkeit angegeben.
Vorteile für Betreiber
- Kurzer Stillstand. Die Anlage steht nur während der Befliegung still.
- Weniger Arbeit in der Höhe. Für die Bildaufnahme muss niemand am Seil an das Blatt.
- Vergleichbare Daten. Bilder aus verschiedenen Jahren lassen sich nebeneinanderlegen.
- Gezielte Reparatur. Ein Seilteam fährt nur dorthin, wo tatsächlich etwas zu tun ist.
- Zwischen den Prüfungen. Nach einem Blitzeinschlag, einem Sturm oder bei Auffälligkeiten im Betrieb lässt sich der Zustand der Blätter mit überschaubarem Aufwand erfassen.
Was Betreiber für die WKP insgesamt vorbereiten können, beschreibt der Beitrag Wiederkehrende Prüfung der Windenergieanlage. Wie ein typischer Einsatz aussieht, zeigt das Fallbeispiel Blattinspektion im Windpark.
So unterstützen wir Sie
Wir befliegen Ihre Rotorblätter und liefern vollständige, jedem Blatt zugeordnete Bilddaten mit einem Befund zu Lage und Dringlichkeit auffälliger Stellen. Ihr Sachverständiger kann diese Daten für seine Bewertung nutzen. Wir sind keine Sachverständigen für Windenergieanlagen und stellen keine WKP-Bescheinigung aus. Mehr unter Rotorblatt-Inspektion, Fragen beantworten wir gern über den Kontakt.