Dieses Fallbeispiel ist erfunden. Objekt, Ablauf und Befunde sind so gewählt, wie sie bei solchen Einsätzen typischerweise vorkommen. Es handelt sich nicht um einen Kundenauftrag. Berichte aus der Branche finden Sie im Abschnitt Aus der Praxis.
Wo ist das Flachdach einer Logistikhalle undicht, wenn das Wasser innen an ganz anderer Stelle austritt? In diesem Fallbeispiel grenzte eine Wärmebild-Befliegung am Abend zwei Bereiche mit vermutlich nasser Dämmung ein. Der größere lag einige Felder von den Wasserflecken entfernt. Dort fand der Dachdecker anschließend einen undichten Anschluss an einer Lichtkuppel.
Ausgangslage
Ein Logistikunternehmen in Ostwestfalen nutzt eine Halle mit rund 6.000 m² Flachdach. Der Aufbau besteht aus Trapezblech, Dämmung und einer Kunststoffbahn. Nach Starkregen tropfte es an zwei Stellen über einer Regalzone. Der Dachdecker hatte genau oberhalb der Tropfstellen bereits zweimal nachgebessert, ohne dauerhaften Erfolg.
Gleichzeitig plante der Eigentümer eine PV-Anlage auf dem Dach. Bevor Module für viele Jahre auf der Fläche liegen, wollte er wissen, in welchem Zustand Abdichtung und Dämmung sind.
Was wir gemacht haben
Wir haben zwei Termine kombiniert.
- Am Tag entstanden hochauflösende Fotos, ein Orthofoto der gesamten Dachfläche und ein 3D-Modell. Darauf sind Lichtkuppeln, Abläufe, Notüberläufe, Durchdringungen und Attika gut zu erkennen.
- Am Abend nach einem sonnigen, trockenen Tag folgte die Wärmebild-Befliegung. Nasse Dämmung speichert Wärme länger als trockene. Feuchte Bereiche zeichnen sich deshalb nach Sonnenuntergang am deutlichsten ab. Die Dachoberfläche muss dafür trocken sein.
Die Halle blieb in Betrieb. Für die Aufnahmen musste niemand auf das Dach.
Was wir gefunden haben
- Zwei warme Bereiche im Wärmebild. Sie blieben abends deutlich länger warm als ihre Umgebung. Das ist ein typisches Bild für durchfeuchtete Dämmung. Der größere Bereich lag nicht über den Tropfstellen, sondern einige Felder weiter oben im Gefälle rund um eine Lichtkuppel. Wasser läuft unter der Abdichtung oft weit, bevor es innen sichtbar wird.
- Anschluss an der Lichtkuppel. Auf den Fotos war am Aufsatzkranz eine aufgegangene Naht zu erkennen.
- Zugesetzter Ablauf. Ein Dachablauf war mit Laub und Bewuchs zugesetzt, daneben stand Wasser.
- Elektrotechnische Hinweise. Die Leitung zu einem Rauch- und Wärmeabzug war ohne passende Manschette durch die Abdichtung geführt. An der Fangeinrichtung des Blitzschutzes hatten sich mehrere Leitungshalter gelöst. Beides haben wir zur Prüfung durch die zuständigen Fachbetriebe markiert.
Für die Einordnung ist eines wichtig. Das Wärmebild zeigt Verdachtsflächen, keine punktgenaue Leckstelle. Die findet der Dachdecker oder ein Leckortungsbetrieb.
Wie es weiterging
Der Dachdecker hat die markierten Bereiche mit einem Leckortungsverfahren gezielt untersucht und den Anschluss an der Lichtkuppel als Eintrittsstelle bestätigt. Probeöffnungen zeigten nasse Dämmung in dem Bereich, den das Wärmebild angezeigt hatte. Er hat den Anschluss erneuert und die nasse Dämmung in diesem Feld ausgetauscht. Den Ablauf hat der Hausmeisterdienst gereinigt. Leitungsdurchführung und Blitzschutz gingen an die jeweiligen Fachbetriebe.
Für die PV-Planung ergab sich eine neue Frage. Reicht die Reparatur, oder sollte die Abdichtung vor der Montage komplett erneuert werden? In NRW gilt seit 1. Januar 2026 bei der vollständigen Erneuerung der Dachabdichtung in der Regel die Solarpflicht, Reparaturen an Teilflächen fallen nicht darunter. Der Eigentümer lässt die Restnutzungsdauer der Abdichtung nun vom Dachdecker bewerten und plant Dach und PV gemeinsam. Unser Orthofoto dient dabei als dokumentierter Ausgangszustand.
Was andere Betreiber daraus mitnehmen können
- Die Tropfstelle in der Halle ist selten die Leckstelle. Nachbessern genau darüber führt oft nicht zum Ziel.
- Für Feuchte im Wärmebild zählt der Zeitpunkt. Abends nach einem sonnigen, trockenen Tag sind die Unterschiede am deutlichsten.
- Vor einer PV-Montage lohnt der Blick auf Abdichtung und Dämmung. Unter einer belegten Fläche sind Schäden später schwer zu finden.
- Abläufe und Anschlüsse regelmäßig kontrollieren lassen, besonders nach Herbst und Sturm.
Mehr dazu lesen Sie im Ratgeber Flachdach undicht, aber wo?, im Beitrag Solarpflicht in NRW bei der Dachsanierung und auf unserer Seite Flachdach prüfen.
Aus der Praxis
Die folgenden Berichte stammen von Dritten. Es sind keine Projekte von FLYX.
- Leckageortung. Messung mit der Thermografie bei BauNetz Wissen. Der Fachbeitrag beschreibt Thermografie als Verfahren für die Feuchteverteilung im Dämmpaket großer Flachdächer und stellt die Verfahren für die eigentliche Leckortung vor.
- TÜV Süd. Photovoltaik-Anlagen auf vielen bestehenden Dächern nur mit Einschränkungen möglich in pv magazine, 2024. Die Auswertung von Dachgutachten zeigt, dass viele Bestandsdächer vor einer PV-Montage genauer untersucht werden sollten, besonders Flachdächer.
- Tüv Süd bietet PV-Dachcheck als Dienstleistung an bei Solarserver, 2023. Der Bericht erklärt, warum Abdichtung und Restlebensdauer vor der Montage geprüft werden und warum Schäden unter einer Anlage schwer zu finden sind.