Für die Leckortung am Flachdach gibt es mehrere Verfahren, und keines passt zu jedem Dach. Wärmebild (Thermografie) und Feuchtemessung zeigen, wo die Dämmung nass ist. Elektrische Verfahren, Rauchgas und Tracergas führen zur eigentlichen Fehlstelle in der Abdichtung. Welche Methode passt, hängt vor allem vom Dachaufbau ab, von einer Auflast wie Kies oder Begrünung und vom Material der Abdichtung. Oft kombinieren Fachbetriebe mehrere Verfahren. Wir grenzen mit dem Wärmebild aus der Luft ein, die punktgenaue Ortung und die Reparatur übernehmen Dachdecker und Leckortungsbetriebe.
Feuchte eingrenzen oder Leck orten?
Hinter einem undichten Flachdach stecken zwei Fragen. Wo ist die Abdichtung undicht? Und wie weit hat sich das Wasser in der Dämmung verteilt? Die erste Frage beantwortet ein Ortungsverfahren, die zweite eine Feuchtemessung. Beides hängt zusammen, ist aber nicht dasselbe.
Wasser läuft unter der Abdichtung oft weit, bevor es innen sichtbar wird. Die Tropfstelle in der Halle verrät deshalb wenig über die Eintrittsstelle. Wie Sie die Suche vorbereiten und welche Schwachstellen typisch sind, steht im Beitrag Flachdach undicht, aber wo?
Wärmebild aus der Luft
Prinzip. Nasse Dämmung speichert Wärme länger als trockene. Nach einem sonnigen Tag kühlt die Dachfläche am Abend ab, feuchte Bereiche bleiben dabei länger warm. Im Wärmebild zeichnen sie sich als wärmere Flächen ab. Aus der Luft lässt sich die ganze Dachfläche in einem Durchgang erfassen. Fachinformationen nennen die Thermografie vor allem für große Flachdächer.
Voraussetzungen. Es braucht einen sonnigen, trockenen Tag und Aufnahmen am Abend oder in der Nacht. Die Oberfläche muss trocken sein, also ohne Regenwasser, Tau oder Reif. Wenig Wind ist ebenfalls wichtig.
Grenzen. Das Wärmebild zeigt einen Feuchteverdacht, keine punktgenaue Leckstelle. Kiesschüttungen und Gründächer schränken die Aussage stark ein. Beheizte Räume, Technik unter dem Dach und Wärmebrücken erzeugen warme Flächen, die nichts mit Feuchte zu tun haben.
Wir liefern Wärmebildaufnahmen mit markierten Verdachtsflächen und eine elektrotechnische Einordnung, etwa wenn Blitzschutz oder Leitungen auf dem Dach betroffen sind. Ein förmliches Thermografie-Gutachten erstellen wir nicht, dafür ist ein zertifizierter Sachverständiger zuständig.
Feuchtemessung, Bohrkern und Probeöffnung
Prinzip. Feuchtemessgeräte erfassen die Feuchte an einzelnen Punkten der Dämmung. Mit einer Neutronensonde lässt sich die Feuchteverteilung im Dachaufbau zerstörungsfrei und flächig erfassen, allerdings nur qualitativ. Eine Probeöffnung oder ein Bohrkern zeigt den tatsächlichen Aufbau und den Zustand der Dämmung. Wie viel Wasser genau in einer Probe steckt, lässt sich im Labor durch Wiegen vor und nach dem Trocknen bestimmen.
Voraussetzungen. Nötig sind Zugang zur Dachfläche und ein Fachbetrieb, der jede Öffnung danach fachgerecht wieder schließt.
Grenzen. Messungen an einzelnen Punkten zeigen nur einen Ausschnitt. Die Neutronensonde ist nur bedingt zur Leckortung geeignet. Jede Öffnung ist eine mögliche neue Schwachstelle. Das Leck selbst findet man so meist nicht.
Die Stärke dieser Verfahren liegt woanders. Sie bestätigen einen Verdacht aus dem Wärmebild und zeigen, welche Flächen tatsächlich nass sind. Fachinformationen weisen darauf hin, dass dann statt einer Komplettsanierung manchmal eine Teilsanierung genügt.
Elektrische Verfahren mit Niederspannung oder Hochspannung
Elektrische Verfahren brauchen in der Regel eine elektrisch leitfähige Ebene unter der Abdichtung. Die Abdichtung selbst muss isolieren. Man unterscheidet zwei Varianten.
Impulsverfahren mit Niederspannung
Prinzip. Die Dachfläche wird befeuchtet und mit einer Ringleitung umgeben. Ein Generator gibt Spannungsimpulse auf die nasse Oberfläche. An einer Fehlstelle fließt Strom durch das Loch in der Abdichtung zur leitfähigen Ebene darunter. Mit Messsonden verfolgt der Prüfer das Spannungsgefälle bis zur Leckstelle.
Voraussetzungen. Die Oberfläche muss nass sein, die Abdichtung isolierend und darunter eine leitfähige Ebene vorhanden. Nach Fachinformationen eignet sich das Verfahren auch für Dächer mit Kiesschüttung und für Gründächer.
Grenzen. Geprüft wird nur die wasserführende Ebene. Jedes gefundene Leck muss erst abgedichtet oder elektrisch abgegrenzt werden, bevor die übrige Fläche weiter geprüft werden kann.
Hochspannungsverfahren
Prinzip. Ein Prüfgerät führt eine Bürste unter Hochspannung über die trockene Abdichtung. An Löchern und Poren schlägt ein Funke zur leitfähigen Ebene durch. Das Gerät meldet die Stelle akustisch und optisch.
Voraussetzungen. Das Dach muss frei von Auflast und trocken sein. Die Abdichtung muss aus einem nicht leitfähigen Material bestehen.
Grenzen. Auf Dächern mit Kies, Platten oder Begrünung lässt sich das Verfahren nicht anwenden. Bei leitfähigen Abdichtungen scheidet es aus.
Rauchgas
Prinzip. Ein kleines Gebläse erzeugt unter der Abdichtung ein Luftpolster, in das Rauch eingeblasen wird. An Löchern, offenen Nähten oder fehlerhaft eingebauten Abläufen tritt der Rauch sichtbar aus.
Voraussetzungen. Das Verfahren eignet sich für Foliendächer mit lose verlegten Bahnen und ohne Auflast.
Grenzen. Bei einer Tragkonstruktion aus Trapezblech raten Fachinformationen davon ab, weil der Überdruck den Rauch in die Halle drücken kann. Gerade bei Hallendächern ist das ein wichtiger Punkt. Seine Stärke hat das Verfahren bei der schnellen Prüfung großer Flächen, etwa bei der Abnahme.
Tracergas
Prinzip. Ein Prüfgas, das leichter ist als Luft, wird über ein kleines Ventil unter die Abdichtung geleitet. Verwendet werden etwa Helium oder ein Gemisch aus Wasserstoff und Stickstoff. Das Gas steigt auf und tritt an Fehlstellen aus. Ein Detektor, der auf das Gas abgestimmt ist, spürt die Stelle auf.
Voraussetzungen. Es braucht eine Einblasstelle unter der Abdichtung und einen Aufbau, in dem sich das Gas verteilen kann.
Stärken und Grenzen. Das Verfahren gilt als punktgenau. Fachinformationen nennen es für große Foliendächer mit oder ohne Kies und auch für Gründächer. Wie gut es im Einzelfall funktioniert, hängt vom Dachaufbau ab und davon, wie die Bahnen befestigt sind.
Flutung und Wasserprobe
Prinzip. Die Abläufe werden verschlossen und die Dachfläche wird geflutet. Nach einer Standzeit wird innen geprüft, ob Wasser durchkommt.
Voraussetzungen. Die Abläufe müssen sich dicht verschließen lassen, und die Unterseite des Daches muss einsehbar sein. Ob das Tragwerk die zusätzliche Wasserlast sicher aufnimmt, sollte vorher eine fachkundige Person klären.
Grenzen. Die Flutung verbraucht viel Wasser und belastet das Tragwerk zusätzlich. Beim Ablassen können Abläufe und Fallrohre überlastet werden. Sie zeigt nur, ob es ein Leck gibt, nicht wo. Dringt Wasser oberhalb der Dampfsperre ein, verursacht die Probe selbst einen Schaden. Eine trockene Decke beweist außerdem wenig, weil eine dichte Dampfsperre das Wasser zurückhalten kann, während die Dämmung darüber nass wird. Fachinformationen halten das Verfahren deshalb für nicht mehr zeitgemäß.
Welche Methode passt zu welchem Dach?
Eine allgemeingültige Empfehlung gibt es nicht. Als grobe Orientierung helfen diese Fälle.
- Großes Hallendach, Ausmaß unklar. Das Wärmebild aus der Luft grenzt ein, danach folgen Feuchtemessung oder Ortung in den markierten Bereichen.
- Dach mit Kiesschüttung. Impulsverfahren oder Tracergas kommen in Frage.
- Foliendach ohne Auflast, lose verlegt. Rauchgas ist möglich, außer bei Trapezblech als Tragkonstruktion. Bei nicht leitfähiger Abdichtung kommt auch das Hochspannungsverfahren in Frage.
- Gründach. Tracergas oder ein elektrisches Verfahren, wenn eine leitfähige Ebene vorhanden ist. Fest eingebaute Kontrollsysteme erleichtern spätere Prüfungen, müssen aber schon beim Aufbau eingeplant werden.
- Sanierung steht an. Wärmebild und Feuchtemessung zeigen, welche Flächen betroffen sind. Daraus ergibt sich, ob eine Teilsanierung reicht.
Welches Verfahren im Einzelfall passt, entscheidet der Fachbetrieb nach Dachaufbau, Auflast und Abdichtung.
Wer übernimmt was?
Wir sind kein Dachdecker und kein Leckortungsbetrieb. Unsere Aufgabe ist der Überblick. Mit Wärmebild, Fotos und Orthofoto markieren wir Verdachtsflächen und Schäden auf einem Dachplan. Die Leckortung mit den beschriebenen Verfahren und die Reparatur übernehmen der Dachdecker oder ein spezialisierter Leckortungsbetrieb. Statt die ganze Fläche zu untersuchen, kann er dort beginnen, wo wir Auffälligkeiten markiert haben. Gutachten zu Ursache und Schadenshöhe erstellen Sachverständige. Was eine Befliegung darüber hinaus zeigt, lesen Sie im Beitrag Dachinspektion mit Drohne.
Steht am Ende die vollständige Erneuerung der Abdichtung an, sollten Eigentümer in NRW die Solarpflicht bedenken. Mehr dazu im Beitrag Solarpflicht in NRW bei der Dachsanierung.
So unterstützen wir Sie
Wir befliegen Ihr Flachdach mit Wärmebild- und Fotokamera und markieren Verdachtsflächen und Schäden mit Ort und Dringlichkeit auf einem Dachplan. Damit kann Ihr Dachdecker oder Leckortungsbetrieb gezielt das passende Verfahren ansetzen. Mehr dazu unter Flachdach prüfen, Fragen beantworten wir gern über den Kontakt.
Quellen
- Baunetz Wissen, Allgemeines zu Messverfahren der Leckageortung bei Flachdächern
- Baunetz Wissen zur Thermografie bei der Leckageortung
- Baunetz Wissen zur Radiometrie mit der Neutronensonde
- Baunetz Wissen zum Elektroimpulsverfahren
- Baunetz Wissen zum DC-Funkenschlagverfahren
- Baunetz Wissen zum Rauchgasverfahren
- Baunetz Wissen zum Tracergasverfahren
- Baunetz Wissen zur Wasserprobe
- Baunetz Wissen zur Leckortung bei begrünten Dachflächen
- Baunetz Wissen, Fazit zur Leckageortung
- Verbraucherzentrale NRW zur Solarpflicht in NRW