Dieses Fallbeispiel ist erfunden. Objekt, Ablauf und Befunde sind so gewählt, wie sie bei solchen Einsätzen typischerweise vorkommen. Es handelt sich nicht um einen Kundenauftrag. Berichte aus der Branche finden Sie im Abschnitt Aus der Praxis.
Wie kommt man zu verlässlichen Maßen, wenn die Pläne eines Gewerbeobjekts nicht mehr zum Gebäude passen? In diesem Fallbeispiel haben wir Bürogebäude und Halle per Drohne aufgenommen und daraus Punktwolke, 3D-Modell und Orthofoto erstellt. Energieberater, PV-Planer und Architekt haben mit denselben Daten weitergearbeitet.
Ausgangslage
Ein mittelständisches Unternehmen im Kreis Gütersloh nutzt ein zweigeschossiges Bürogebäude mit angebauter Produktionshalle. Das Objekt ist in mehreren Bauabschnitten entstanden. Zu einem Anbau gab es keine Pläne, an anderen Stellen widersprachen sich die Unterlagen.
Drei Vorhaben standen an. Ein Energieberater sollte einen Sanierungsfahrplan erstellen, auf das Hallendach sollte eine PV-Anlage, und für einen weiteren Anbau brauchte der Architekt eine Planungsgrundlage. Alle drei benötigten Flächen, Höhen und Neigungen. Ein Aufmaß von Hand auf dem Hallendach und an den Fassaden wäre aufwendig gewesen und hätte Hubsteiger oder Gerüst erfordert.
Was wir gemacht haben
Vorab haben wir mit den drei Planern geklärt, welche Daten sie in welchem Format brauchen und wie genau die Werte sein müssen. Danach richteten sich Flughöhe und Bildüberlappung.
- senkrechte Aufnahmen der Dachflächen und Schrägaufnahmen aller Fassaden
- eingemessene Bodenpasspunkte, um das Modell lagerichtig einzupassen
- Kontrollmaße mit dem Maßband an gut zugänglichen Stellen, um das Modell zu prüfen
Aus den überlappenden Bildern entstanden per Photogrammetrie eine Punktwolke, ein texturiertes 3D-Modell und ein Orthofoto. Wie genau ein solches Modell wird, hängt von Flughöhe, Passpunkten und Objekt ab. Deshalb haben wir die erreichte Genauigkeit an den Kontrollmaßen dokumentiert, statt vorab einen Wert zuzusagen.
Was wir gefunden haben
- Abweichungen zu den Plänen. Der Anbau ohne Pläne war größer als im Lageplan eingezeichnet. Die Traufhöhe der Halle wich an einer Seite von den Unterlagen ab, weil dort nachträglich aufgedämmt worden war.
- Dachfläche für PV. Lichtbänder, Lüftungsgeräte, Rauch- und Wärmeabzüge und die Fangeinrichtung des Blitzschutzes verkleinern die nutzbare Fläche. Auf dem Orthofoto sind sie lagegenau zu sehen. Die Halle hat zudem zwei Dachflächen mit unterschiedlicher Neigung.
- Elektrotechnische Hinweise. Kabeltrassen auf dem Dach und die Lage der Übergabestation sind für die Leitungswege einer PV-Anlage wichtig. Beides haben wir im Modell markiert, ebenso die Verschattung durch eine benachbarte Halle am Nachmittag.
- Nebenbefund. An einer Lichtkuppel war die Abdeckung gerissen. Den Hinweis haben wir an den Dachdecker des Eigentümers weitergegeben.
Wie es weiterging
Der Energieberater hat Fassaden- und Dachflächen direkt aus dem Modell übernommen. Der PV-Planer hat auf Basis von Orthofoto und Neigungen einen Belegungsplan mit Abständen zu den Dachaufbauten erstellt. Der Architekt hat die Punktwolke in seine Planungssoftware übernommen und den Anbau darauf aufgebaut. Für Details an Anschlusspunkten hat er vor Ort nachgemessen, wie in der Werkplanung üblich.
Die Daten liegen beim Eigentümer als Bestandsdokumentation. Eine Pflicht zu einem digitalen Zwilling gibt es für Bestandsgebäude in Deutschland derzeit nicht. Für spätere Umbauten ist ein aktuelles Modell trotzdem eine solide Grundlage.
Was andere Betreiber daraus mitnehmen können
- Bestandspläne vor einer Planung prüfen. Gerade bei mehreren Bauabschnitten weichen sie oft vom gebauten Zustand ab.
- Anforderungen vorher klären. Wer welche Daten in welchem Format braucht, bestimmt den Flug.
- Ein Aufmaß kann mehreren Gewerken dienen. Das spart doppelte Termine.
- Die Genauigkeit an Kontrollmaßen belegen lassen, statt sich auf pauschale Angaben zu verlassen.
Mehr dazu lesen Sie im Ratgeber Dachaufmaß per Drohne, im Beitrag Digitaler Zwilling für Bestandsgebäude und auf unserer Seite 3D-Aufmaß.
Aus der Praxis
Die folgenden Berichte und Unterlagen stammen von Dritten. Es sind keine Projekte von FLYX.
- DIN SPEC 5452-5 Digitales Dachaufmaß per Drohne, Ausgabe 2021. Die Spezifikation beschreibt Anforderungen an System, Sensorik, Personal und Planung eines Dachaufmaßes aus der Luft.
- Drohnen-Dachaufmaß für Photovoltaik-Anlagen in pv magazine, 2023. Die Jury eines Branchenpreises begründet, warum Satellitenbilder für die PV-Planung oft nicht reichen und ein Aufmaß aus der Luft Kletterarbeit auf dem Dach spart.
- Punktwolken der Stadt Nürnberg. Das Amt für Geoinformation leitet aus Punktwolken Grundrisse, Schnitte und Orthofotos für Umbau und Sanierung ab.
- Mit der Drohne zum BIM-Modell der FH Campus Wien, 2023. Die Hochschule beschreibt den Weg von Drohnenbildern über die Punktwolke zum Bestandsmodell bei lückenhaften Unterlagen.