Ratgeber · Dächer

Schneelast auf dem Hallendach. Wann es kritisch wird und was Betreiber tun können

Nicht die Höhe des Schnees zählt, sondern sein Gewicht. Altschnee kann ein Vielfaches von Neuschnee wiegen. Was Betreiber großer Hallendächer wissen sollten, bevor der Winter kommt.

3 Min. Lesezeit · Stand 13. Oktober 2026 · André Meschkat

Bei Schnee auf dem Hallendach zählt nicht die Höhe, sondern das Gewicht. Nach Baunetz Wissen kann Altschnee durch ständiges Tauen und Frieren bis zu neunmal schwerer sein als Neuschnee. Ein halber Meter Pulverschnee kann deshalb harmlos sein, während eine dünnere, vereiste Schicht nach mehreren Tauwetterphasen kritisch wird. Wie viel ein Dach tragen kann, steht in seiner Statik. Ob es geräumt werden muss, beurteilt im Zweifel ein Tragwerksplaner oder Sachverständiger.

Wie viel Schnee ein Dach tragen muss

Seit Dezember 2010 gilt in Deutschland die DIN EN 1991-1-3, der Eurocode für Schneelasten, zusammen mit ihrem Nationalen Anhang. Die Schneelast wird in Kilonewton je Quadratmeter angegeben und hängt von der Schneelastzone, der Geländehöhe, der Dachform und der Dachneigung ab. Für ein bestehendes Gebäude ist aber auch die Norm wichtig, die bei seiner Errichtung galt. Ältere Hallen wurden teils mit anderen Annahmen gerechnet. Was für Ihr Dach gilt, steht in der Statik oder kann ein Sachverständiger beurteilen.

An Attiken, Aufbauten und Höhensprüngen weht Schnee zusammen. Dort liegt oft deutlich mehr als auf der freien Fläche, und genau dort ist die Last am größten.

Warum die Schneehöhe wenig sagt

Frisch gefallener Schnee ist leicht und locker. Taut er an und friert wieder, wird er dichter und schwerer. Regen auf Schnee saugt sich voll und erhöht das Gewicht zusätzlich. Ein Merkblatt aus dem bayerischen Staatsministerium empfiehlt deshalb, das Schneegewicht zu messen statt der Höhe. Dafür wird mit einem Rohr bekannter Querschnittsfläche eine Probe bis zur Dachhaut ausgestochen und gewogen. Aus Gewicht und Fläche ergibt sich die Last je Quadratmeter, die man mit der Statik vergleichen kann.

Richtig räumen

Planloses Schaufeln kann nach Baunetz Wissen gefährlicher sein als der Schnee selbst. Wird ein Bereich frei geräumt und der Schnee daneben aufgetürmt, verteilt sich die Last ungleich. Dazu kommen die Menschen und Geräte auf dem Dach.

  • Sicherheit zuerst. Unter dem Schnee sind Lichtkuppeln und Lichtbänder unsichtbar, und sie sind oft nicht durchtrittsicher. Ohne Absturzsicherung sollte niemand aufs Dach.
  • Gleichmäßig räumen. Schnee nicht an einer Stelle anhäufen, sondern nach einem Plan in Bahnen abtragen.
  • Abdichtung schützen. Eine Restschicht Schnee oder Eis sollte liegen bleiben, damit Schaufeln die Dachhaut nicht beschädigen. Die Entwässerung muss dabei frei bleiben.
  • Technik beachten. Blitzschutzleitungen und PV-Kabel liegen unter dem Schnee und sind bei mechanischer Belastung meist nicht ausreichend geschützt.
  • Fachleute holen. Für das Räumen großer Dächer braucht es Erfahrung. Der Deutsche Feuerwehrverband hat dazu eine Fachempfehlung zu Schneelastmessung und Schneeräumung veröffentlicht.

Warnzeichen

Nach dem Merkblatt aus Bayern sollte nach einem Winter mit hoher Last ein Sachkundiger das Tragwerk prüfen, vor allem bei sichtbaren Verformungen oder Rissen. Biegt sich ein Dach sichtbar durch, sammelt sich Wasser oder Eis immer an derselben Stelle, oder fallen neue Risse an Bauteilen auf, sollte sofort ein Tragwerksplaner das Dach beurteilen. Für Hallen mit großen Spannweiten hat die Bauministerkonferenz außerdem Hinweise zur Überprüfung der Standsicherheit durch den Eigentümer veröffentlicht. Der Eigentümer ist danach für Instandhaltung und Verkehrssicherheit seines Gebäudes verantwortlich.

Was der Blick von oben bringt

Eine Drohne kann Schnee nicht wiegen. Sie kann aber zeigen, wo er liegt. Aus der Luft sieht man, wo sich an Attiken und Aufbauten Verwehungen gebildet haben und ob Abläufe und Notüberläufe frei sind, ohne dass jemand das verschneite Dach betreten muss.

Noch wichtiger ist die Vorbereitung im Herbst. Ein Dachplan mit allen Lichtkuppeln, Lichtbändern, Abläufen, Blitzschutzleitungen und PV-Kabeln zeigt dem Räumtrupp im Winter, wo unter dem Schnee Gefahren liegen und wo die Entwässerung frei bleiben muss. Nach dem Winter zeigt eine zweite Befliegung, ob Schnee, Eis oder das Räumen Schäden hinterlassen haben. Mehr dazu im Beitrag Frost, Eis und Tauwetter auf dem Flachdach.

So unterstützen wir Sie

Wir befliegen Ihr Hallendach vor dem Winter und erstellen einen Dachplan mit allen Abläufen, Lichtkuppeln und Leitungen. Im Frühjahr prüfen wir, was der Winter hinterlassen hat. Die Statik beurteilen wir nicht, das gehört in die Hände eines Tragwerksplaners. Regelmäßige Termine gibt es unter Dachwartung.

Quellen

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