Ratgeber · Dächer

Blitzschutzanlage prüfen. Wie oft und was dazugehört

Wie oft eine Blitzschutzanlage geprüft wird, hängt von ihrer Schutzklasse ab. Wer prüft, was gemessen wird und wann eine Drohne die Sichtprüfung großer Dächer sinnvoll ergänzt.

4 Min. Lesezeit · Stand 9. Oktober 2026

Wie oft eine Blitzschutzanlage geprüft werden sollte, hängt von ihrer Schutzklasse ab. DIN EN 62305-3 (VDE 0185-305-3) nennt im Beiblatt 3 Richtwerte. Bei Schutzklasse I und II ist eine Sichtprüfung jährlich und eine umfassende Prüfung alle 2 Jahre vorgesehen. Bei Schutzklasse III und IV gilt eine Sichtprüfung alle 2 Jahre und eine umfassende Prüfung alle 4 Jahre. Bei kritischen Anlagen wird die umfassende Prüfung jährlich empfohlen. Behördliche Auflagen und Versicherer können andere Fristen verlangen. Die Prüfung selbst führt eine Blitzschutz-Fachkraft oder ein Prüfer durch.

Die Prüfintervalle im Überblick

  • Schutzklasse I und II. Sichtprüfung jährlich, umfassende Prüfung alle 2 Jahre.
  • Schutzklasse III und IV. Sichtprüfung alle 2 Jahre, umfassende Prüfung alle 4 Jahre.
  • Kritische Anlagen. Umfassende Prüfung jährlich.

Welche Schutzklasse für Ihr Gebäude gilt, steht in den Planungsunterlagen der Blitzschutzanlage. Sie ergibt sich aus einer Risikobewertung, für die DIN EN 62305-2 den Rahmen setzt. Fehlen die Unterlagen, sollte die Fachkraft das bei der nächsten Prüfung klären.

Neben den regelmäßigen Terminen ist eine zusätzliche Prüfung sinnvoll, wenn sich am Gebäude etwas geändert hat. Typische Anlässe sind ein bekannter Blitzeinschlag, ein schwerer Sturm, Arbeiten an der Dachabdichtung oder die Montage einer PV-Anlage. Dabei können Fangleitungen gelöst, verschoben oder beschädigt werden.

Wer die Prüfung durchführt

Die Prüfung einer Blitzschutzanlage ist Aufgabe einer Blitzschutz-Fachkraft oder eines Prüfers mit entsprechender Qualifikation. Sie bewerten den Zustand, führen die Messungen durch und halten das Ergebnis in einem Prüfbericht fest. Für die Einhaltung der Fristen sorgt in der Regel der Eigentümer oder Betreiber des Gebäudes.

Ob eine Blitzschutzanlage überhaupt vorgeschrieben ist, ergibt sich zum Beispiel aus Bauordnung, Baugenehmigung oder Versicherungsvertrag. Ist eine Anlage vorhanden, muss sie auch funktionieren. Eine beschädigte Anlage kann den Blitzstrom im Ernstfall nicht mehr sicher ableiten. Dann drohen Überschläge ins Gebäude.

Was zur Prüfung gehört

Eine umfassende Prüfung besteht aus mehreren Teilen.

  • Unterlagen. Planunterlagen, frühere Prüfberichte und Änderungen am Gebäude werden gesichtet.
  • Sichtprüfung. Fangeinrichtungen, Ableitungen, Verbindungs- und Trennstellen, Halterungen und Erdungsanschlüsse werden auf Beschädigung, Korrosion, lose Verbindungen und fehlende Teile kontrolliert. Auch neue Dachaufbauten werden betrachtet, die bisher nicht geschützt sind.
  • Messungen. Die Fachkraft misst den Durchgang der Verbindungen und die Erdung. Dafür braucht sie Zugang vor Ort, zum Beispiel an den Trennstellen am Gebäude.
  • Innerer Blitzschutz. Je nach Anlage gehören auch Potentialausgleich und Überspannungsschutz dazu.
  • Prüfbericht. Mängel werden mit Ort und Dringlichkeit festgehalten. Der Bericht ist zugleich die Grundlage für die nächste Prüfung.

Wo die Drohne hilft

Auf großen Flachdächern von Hallen verlaufen lange Fangleitungen über die gesamte Fläche, dazu kommen Fangstangen an Aufbauten, Lichtkuppeln und Technik. Eine vollständige Begehung ist aufwendig, und nicht jeder Bereich ist sicher erreichbar. Auf Hallendächern sind Lichtkuppeln und Lichtbänder oft nicht durchtrittsicher.

Eine Drohne kann die Sichtprüfung auf solchen Dächern ergänzen. Sie erfasst Fangleitungen, Fangstangen, Verbindungsklemmen und Halterungen in hochauflösenden Fotos. Ein Orthofoto zeigt den Verlauf der gesamten Anlage in einer maßstäblichen Draufsicht. Darauf lassen sich lose Leitungen, fehlende Halter, Korrosion oder Schäden eindeutig verorten. Auch schwer erreichbare Stellen wie Schornsteine, Attika oder hohe Aufbauten werden sichtbar.

Die Fachkraft kann die Bilder auswerten und gezielt die Stellen begehen, an denen es Auffälligkeiten gibt. Werden die Befliegungen wiederholt, lassen sich Veränderungen über die Jahre vergleichen. Auch große Prüforganisationen bieten die Blitzschutzprüfung inzwischen mit Drohnenunterstützung an.

Wo die Grenzen liegen

Die Drohne ersetzt die Blitzschutzprüfung nicht.

  • Sie misst weder den Durchgang noch die Erdung. Dafür ist die Fachkraft vor Ort nötig.
  • Verdeckte Teile, etwa Leitungen unter Abdeckungen oder im Erdreich, sind aus der Luft nicht zu beurteilen.
  • Das Foto zeigt, wie eine Verbindung aussieht, nicht ob sie elektrisch einwandfrei ist.
  • Die Bewertung und den Prüfbericht verantwortet die Blitzschutz-Fachkraft oder der Prüfer.

Die Drohne liefert also Bilder und eine Dokumentation, die die Sichtprüfung großer Dächer vollständiger und für alle Beteiligten nachvollziehbar macht.

Blitzschutz und PV-Anlage auf dem Dach

Kommt eine PV-Anlage auf ein Dach mit Blitzschutz, müssen beide zusammenpassen. Die Module werden in das Blitzschutzkonzept eingebunden, und die Trennungsabstände zu Fangeinrichtungen sind zu beachten. Fangstangen können außerdem Module verschatten. Eine dauerhafte Verschattung einzelner Zellen kann zu einem Hotspot im Solarmodul führen. Nach der Montage sollte die Blitzschutzanlage geprüft werden.

In NRW ist die Frage bei Dachsanierungen besonders aktuell, weil seit dem 1. Januar 2026 bei der vollständigen Erneuerung der Dachabdichtung unter bestimmten Voraussetzungen eine Solaranlage Pflicht ist. Mehr dazu im Beitrag Solarpflicht in NRW bei der Dachsanierung.

So unterstützen wir Sie

Wir befliegen große Dächer und dokumentieren Fangeinrichtungen, Ableitungen und Verbindungen mit Fotos und Orthofoto, mit einem Befund zu Ort und Dringlichkeit auffälliger Stellen. Diese Unterlagen kann Ihre Blitzschutz-Fachkraft oder Ihr Prüfer für die Sichtprüfung und eine gezielte Begehung nutzen. Messungen und die Prüfung selbst übernehmen wir nicht. Mehr unter Flachdach prüfen, Fragen beantworten wir gern über den Kontakt.

Quellen

Anfrage

Schildern Sie uns das Problem.

Wir sagen Ihnen ehrlich, ob wir es lösen können und was es kostet. Ein paar Sätze und, wenn vorhanden, ein Foto reichen für den Anfang.