Ratgeber · Dächer

Sturmschaden am Dach dokumentieren. Was die Versicherung sehen will

Nach einem Sturm zählt eine saubere Dokumentation. Was die Versicherung in der Regel sehen will und wie Sie Schäden am Dach erfassen, ohne sich in Gefahr zu bringen.

5 Min. Lesezeit · Stand 9. Oktober 2026

Die Versicherung will bei einem Sturmschaden am Dach in der Regel nachvollziehen können, dass der Schaden durch Sturm entstanden ist, wie groß er ist und was Sie getan haben, um Folgeschäden zu begrenzen. Dafür brauchen Sie Datum und Wetterlage, Fotos vom Schaden im Überblick und im Detail, eine Liste der betroffenen Bauteile und Belege für Notmaßnahmen. Melden Sie den Schaden zeitnah und betreten Sie das Dach nicht selbst. Was genau versichert ist, regelt Ihr Vertrag.

Wann die Versicherung bei Sturm leistet

Wohngebäude- und Gebäudeversicherungen leisten bei Sturm in der Regel ab Windstärke 8. Maßgeblich sind die Bedingungen Ihres Vertrags. Ob diese Windstärke am Standort erreicht wurde, lässt sich meist über Wetterdaten nachvollziehen. Notieren Sie deshalb Datum und ungefähre Uhrzeit des Sturms. Auch umgestürzte Bäume oder Schäden an Nachbargebäuden können ein Hinweis auf die Stärke des Sturms sein und gehören mit in die Dokumentation.

Wie Folgeschäden durch eindringendes Regenwasser behandelt werden, ist ebenfalls im Vertrag geregelt. Bei größeren Schäden schickt der Versicherer häufig einen eigenen Gutachter oder Regulierer. Je besser Ihre Unterlagen sind, desto leichter kann er den Schaden einordnen.

Erst sichern, dann dokumentieren

Ihre Sicherheit geht vor. Ein sturmgeschädigtes Dach ist kein Ort für Fotos mit dem Handy.

  • Betreten Sie das Dach nicht selbst. Lose Ziegel, gelöste Bleche, nasse Flächen und abgehobene Bahnen sind gefährlich. Auf Hallendächern sind Lichtkuppeln und Lichtbänder oft nicht durchtrittsicher.
  • Sperren Sie den Bereich unter der Traufe und am Dachrand ab, wenn Teile herabfallen können.
  • Begrenzen Sie Folgeschäden. Fangen Sie eindringendes Wasser auf und räumen Sie empfindliches Inventar aus dem Weg.
  • Wenn Wasser in der Nähe von elektrischen Anlagen eindringt, lassen Sie den Bereich von einer Elektrofachkraft prüfen.
  • Lassen Sie eine Notabdichtung vom Dachdecker anbringen und bewahren Sie die Rechnung auf.

Was in die Dokumentation gehört

Eine gute Schadendokumentation ist vollständig und nachvollziehbar. Ein Außenstehender sollte ohne Ortstermin verstehen, was wo passiert ist.

  • Datum, Uhrzeit und Wetterlage, dazu amtliche Unwetterwarnungen, falls es welche gab
  • Übersichtsfotos des Gebäudes von allen Seiten, damit die Lage der Schäden erkennbar ist
  • Detailfotos der Schäden, etwa abgedeckte Ziegel, gelöste oder aufgerissene Abdichtungsbahnen, verbogene Attikableche, beschädigte Lichtkuppeln, Dachrinnen und Aufbauten
  • Fotos von innen, zum Beispiel Wasserflecken an Decken, nasse Dämmung oder beschädigtes Inventar
  • herabgefallene Teile am Boden, fotografiert bevor sie weggeräumt werden, im Zweifel aufbewahrt
  • Belege für Notmaßnahmen wie Planen, Notabdichtung oder Absperrung
  • eine kurze Liste der betroffenen Bauteile mit ihrer Lage auf dem Dach

Fotografieren Sie lieber zu viel als zu wenig. Achten Sie darauf, dass Datum und Uhrzeit in den Bilddateien erhalten bleiben.

Warum Fotos vom Boden oft nicht reichen

Ein Steildach lässt sich vom Boden oder vom Nachbargrundstück aus zum Teil einsehen. Ein Flachdach auf einer Halle dagegen kaum. Schäden an der Abdichtung, an Randabschlüssen, an Dachdurchdringungen oder an einer PV-Anlage bleiben von unten verborgen. Eine Begehung mit Hubsteiger oder Gerüst ist aufwendig und auf einem beschädigten Dach riskant.

Eine Drohne erfasst das Dach, ohne dass jemand es betreten muss. Hochauflösende Fotos zeigen die Schäden im Detail. Ein Orthofoto liefert eine maßstäbliche Draufsicht der gesamten Dachfläche. Darauf lässt sich jede Schadenstelle eindeutig verorten, und Versicherer, Gutachter und Dachdecker sprechen über dieselbe Stelle. Aus den Luftbildern lässt sich auf Wunsch auch ein 3D-Modell erstellen. Daran kann der Dachdecker zum Beispiel beschädigte Flächen abschätzen, bevor er ein Angebot schreibt.

Wenn Wasser eingedrungen ist

Hat Regen nach dem Sturm die Dämmung durchfeuchtet, ist der sichtbare Schaden oft nur ein Teil des Problems. Wasser läuft unter der Abdichtung häufig weit, bevor es innen sichtbar wird.

Wärmebildaufnahmen können zeigen, wie weit sich Feuchte ausgebreitet haben könnte. Nasse Dämmung speichert Wärme länger als trockene. Feuchte Bereiche zeichnen sich deshalb am besten abends oder nachts nach einem sonnigen, trockenen Tag ab. Die Oberfläche muss dabei trocken sein. Das Wärmebild liefert einen Verdacht, keinen Beweis. Die punktgenaue Leckortung und die Reparatur übernimmt der Dachdecker oder ein Leckortungsbetrieb. Wie man bei einem undichten Flachdach vorgeht, lesen Sie im Beitrag Flachdach undicht, aber wo?.

Typische Fehler bei der Schadenmeldung

  • Zu lange warten. Melden Sie den Schaden zeitnah, auch wenn das ganze Ausmaß noch nicht klar ist.
  • Aufräumen, bevor alles fotografiert ist.
  • Größere Reparaturen beauftragen, ohne mit dem Versicherer zu sprechen. Notmaßnahmen sind davon in der Regel ausgenommen, maßgeblich ist der Vertrag.
  • Vorschäden nicht abgrenzen. Bei älteren Dächern stellt sich oft die Frage, was der Sturm verursacht hat und was Alterung ist.

Gegen den letzten Punkt hilft eine Bestandsaufnahme vor dem Schaden. Wer den Zustand seines Daches regelmäßig dokumentiert, kann später zeigen, wie es vor dem Sturm aussah.

Wenn das Dach komplett erneuert werden muss

Manchmal ist nach einem Sturm nicht nur eine Reparatur fällig, sondern die vollständige Erneuerung der Abdichtung oder der Eindeckung. In NRW sollten Sie dann die Solarpflicht bedenken. Seit dem 1. Januar 2026 gilt sie auch bei der vollständigen Erneuerung der Dachabdichtung oder Dacheindeckung von Gebäuden mit mehr als 50 m² Nutzfläche. Reparaturen an Teilflächen fallen nicht darunter. Was das bedeutet, erklärt der Beitrag Solarpflicht in NRW bei der Dachsanierung. Klären Sie die Frage früh mit Dachdecker und Bauamt.

So unterstützen wir Sie

Wir befliegen Ihr Dach nach dem Sturm und liefern Übersichts- und Detailfotos, ein Orthofoto und bei passenden Bedingungen Wärmebildaufnahmen, jeweils mit Befund zu Ort und Dringlichkeit. Diese Unterlagen können Sie direkt an Versicherung, Gutachter und Dachdecker weitergeben. Reparaturen und Leckortung übernehmen wir nicht. Mehr zur Leistung unter Flachdach prüfen, Fragen beantworten wir gern über den Kontakt.

Quellen

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